Zschäpe spielt die Karte „Opfer-Abo“ aus.

http://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-fotos_galerie,-Die-Karikaturen-im-WESER-KURIER-_mediagalid,35028.html

Günter Buchholz

Jetzt liegt sie auf dem Tisch, Zschäpes Opfer-Abo-Karte.

Da Frauen im Irrlicht des Opfer-Abos prinzipiell keine Täterinnen sein können, sondern immer nur arme und bedauernswerte Opfer, steht die mediale deutsche Gesellschaft vor einem Dilemma.

Entweder sie hält Zschäpes Aussagen für unwahr, dann ist auch das Opfer-Abo unwahr.

Oder sie folgt dem Opfer-Abo-Dogma. Dann gibt es nur zwei Täter, aber keine Täterin.

Der neue Pflichtverteidiger spekuliert unterschwellig auf das Opfer-Abo, denke ich. Mindestens in der Weise, das dieses, wenn auch unausgesprochen, zu einer Strafmilderung führen könnte. Und diese Kalkulation könnte durchaus noch aufgehen, wenn die Indizien nicht ausreichen sollten, eine Mittäterschaft von Zschäpe hinreichend fest zu belegen.

Man vergleiche hiermit die Rolle der Frauen in der (glücklicherweise) ehemaligen RAF: Ein Opfer-Abo hat damals in meiner Wahrnehmung keine Rolle gespielt. Frauen galten seinerzeit als emanzipiert, wenn auch, wie im angegebenen Fall, im negativen Sinne, also als Täterinnen.

Das hat sich dank der dritten Welle des Feminismus geändert: Frauen gelten als arme Hascherl, die nicht wissen was sie tun und ständig von Männern oder besser noch von Papa Staat beschützt und begünstigt werden müssen. Und so leben sie heute wie die Maden im Speck, insbesondere an den Hochschulen.

Siehe hierzu:

„Schweigen wäre schlauer gewesen“

„Die Opfer des NSU und deren Anwälte sind empört – und wohl doch wenig überrascht: Beate Zschäpes Aussage (hier in unserem Live-Blog dokumentiert) war ein einziges Ausweichen. Zschäpe stellte sich als Opfer der Mörder Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt dar, von deren Morden sie immer erst hinterher erfuhr – eine offenbar taktisch motivierte Einlassung. “So viel gespielte Ahnungslosigkeit ist eine Verhöhnung der Opfer und ihrer Angehörigen”, kommentiert Marcel Fürstenau von der Deutschen Welle. Die knappe Entschuldigung, die sie wie die gesamte Aussage von ihrem Anwalt Mathias Grasel vortragen ließ, wirke “aufgesetzt angesichts der monströsen NSU-Verbrechen”.

An jedem Werktag sichten wir für das NSU-Prozess-Blog die Medien und stellen wichtige Berichte, Blogs, Videos und Tweets zusammen. Wir freuen uns über Hinweise via Twitter mit dem Hashtag #nsublog – oder per E-Mail an nsublog@zeit.de.“

Zum Artikel:

http://blog.zeit.de/nsu-prozess-blog/2015/12/10/schweigen-ware-schlauer-gewesen-das-medienlog-vom-donnerstag-10-dezember-2015/

http://www.cicero.de/berliner-republik/nsu-prozess-ich-fuehle-mich-moralisch-schuldig/60226