Über den „Terror im Hexagon“

Interview: mit Gilles Kepel

„Gilles Kepel ist der führende französische Islam-Fachmann. Er lehrt am renommierten Institut d’Etudes Politiques (“Sciences Po“) und am Institut Universitaire de France in Paris. In seinem neuen Buch „Terror im Hexagon“ untersucht der 60 Jahre alte Islamwissenschaftler die Fehler Frankreichs, die zum Entstehen einer neuen Generation von Dschihadisten beitrugen. Seine Analyse ist nach den Terroranschlägen des vergangenen Jahres auf ein großes Echo gestoßen. Kepel, der sich seit 30 Jahren mit dem Islamismus beschäftigt, konzentriert sich immer stärker auf den „hausgemachten“ Dschihad in Europa. (mic.)

„Im Interview spricht der Islamwissenschaftler Gilles Kepel über den Dschihadismus in französischen Städten und erklärt, warum Frankreich mehr Dschihadisten hervorbringt als andere europäische Länder.“ (…)

„Der im Algerien-Krieg entstandene Hass auf die französischen Kolonialherren wirkt in vielen Einwanderungsfamilien bis heute nach. Bis zu den Anschlägen im November waren die Terroristen ausschließlich Franko-Algerier, mit Ausnahme von Amedy Coulibaly, der aber unter dem Einfluss seiner franko-algerischen Lebensgefährtin Hayad Boumeddiene stand. Frankreich ist das größte arabische Land in Europa. Deutschland ist türkisch, Großbritannien indo-pakistanisch. Aber der Dschihad ist ein arabischer. Die französischen Dschihadisten schämen sich, Französisch zu sprechen, sie lernen Arabisch. Sie wollen ihre Bindung zu Frankreich kappen. Das liegt auch daran, dass Frankreich von allen europäischen Gesellschaften am wenigsten für die Eingliederung tut.“ (…)  (Hervorhebung GB)

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