Medienspiegel

Wahrheitspresse

Günter Buchholz  / Eine Glosse  /

Seit in Dresden Dresdner auf die Straße gehen, weil sie unzufrieden sind, und seit die Wahrheitspresse über die Unzufriedenen berichtet hatte, dass es bösartig sei, unzufrieden zu sein, denn  Unzufriedenheit sei rechtsradikal, denn wer nicht rechtsradikal sei, der sei zufrieden und stimme unserer guten Regierung in allem zu, so wie es sich nun einmal gehöre in einer Demokratie, seitdem also kenne ich überhaupt erst das Wort „Lügenpresse“, weil die Unzufriedenen sich ihre Unzufriedenheit nicht nur nicht wollten ausreden lassen, sondern weil sie durch die Belehrungen der Wahrheitspresse  noch unzufriedener wurden, aber das war natürlich ganz falsch, denn die Wahrheitsbesitzer in der Wahrheitspresse fühlten sich nun in ihrem Selbstwert schwer gekränkt und wurden ihrerseits wütend und immer wütender, denn wie konnte es gewagt werden, Wahrheitsbesitzer als Lügner zu bezeichnen, und das seitens einfacher Nicht-Wahrheitsbesitzer? Diesem Pack!