Was ist Wissenschaft?

Die Philosophie soll der Physik aus der Patsche helfen

Die Stringtheorie steht im Zentrum eines Disputs um die Integrität der wissenschaftlichen Methode selbst.

Davide Castelvecchi
Zum Artikel:

http://www.spektrum.de/news/die-philosophie-soll-der-physik-aus-der-patsche-helfen/1390994

Kommentar GB:

Es geht um Wissenschaftstheorie und damit um die Frage, wie überhaupt Wissen im Unterschied zu bloßer Meinung gewonnen werden kann.

Ganz allgemein lautet die doppelte Antwort:

(a) durch Bildung von Kategorien und einer auf ihnen beruhenden rationalen Erklärung dessen, was bisher unverstanden ist und was deshalb der Erklärung bedarf,  in wechselseitiger Verbindung mit

(b) empirischen Befunden (Beobachtungen, Messungen, etc.) und einer empirischen Kontrolle solcher Erklärungen.

Es handelt sich insgesamt um einen methodischen Übergang vom Nicht-Wissen zum Wissen.

Der Anstoß zur Suche nach einer Erklärung kann wegen der Wechselseitigkeit auch von (b) ausgehen, z. B. von einer neuartigen und unerklärlichen Beobachtung, wie sie z. B. in der Astronomie immer wieder vorkommt. Oder, im Falle der ökonomischen Theorie, durch die Beobachtung der theoretisch, d. h. hier neoklassisch, eigentlich unmöglichen stabilen Unterbeschäftigung in den 30er Jahren des 20. Jh., und den Versuch einer neuartigen, nämlich makroökonomischen Erklärung durch John Maynard Keynes (General Theory, 1936).

Wenn, wie jetzt in der Physik, (b) prinzipiell nicht möglich ist, dann steht auch (a) prinzipiell in Frage, denn (a) drückt dann lediglich noch eine Denkmöglichkeit aus, nicht aber Erkenntnis und Wissen.

Für die Geisteswissenschaften, die humanities greifen diese Überlegungen nicht, weil es bei ihnen  nicht um ein Erklären, sondern um ein Verstehen geht, und das bedeutet, Kulturgut wird gedeutet, z. B. die Bibel, oder literarische Werke.

Dabei kann dann auch so etwas entstehen:

http://www.tagesspiegel.de/wissen/serie-gender-in-der-forschung-8-gott-ist-maennlich-und-weiblich/12532122.html

Deuten, in diesem Beispiel, mag die Autorin, wie sie das für richtig hält. Aber: niemand ist genötigt, sich dieser subjektiven Sichtweise anzuschließen. Es ist lediglich eine Deutung, die die Autorin für sich selbst für gültig halten mag, aber damit ist die Grenze der Gültigkeit bereits erreicht.

Eine qualitativ hochwertige Deutung mag zwar das Beste sein, was eine Gesellschaft zu einem Thema besitzt, aber um Wissen im obigen Sinne, im Sinne von science, kann es sich dabei nie handeln. Das aber ist kein Mangel der humanities, sondern liegt im Wesen der Sache: Goethes Faust kann nicht erklärt, sondern nur gedeutet, interpretiert und so oder so verstanden werden.

Methodisch gesicherte wissenschaftliche Erklärungen aber sind letztlich aus sich heraus gültig, und sie können niemals von einer Deutung her in Frage gestellt werden, wie das Galieo Galilei seitens der Theologie seiner Zeit widerfahren ist. Hierzu:

http://cuncti.net/geschlechterdebatte/852-deutung-statt-erklaerung