Medienspiegel

Demografischer Sturzflug

„Deutsche Asyl-Euphoriker und Freunde der Masseneinwanderung behaupten, die vielen Migranten 
würden die Sozialstaaten beleben und die Überalterung entschärfen. Falsch. Schlecht gebildete Ausländer bringen keinen Gewinn, sondern einen Verlust an Wohlstand.“

Von Herwig Birg

„Die Verwendung des Begriffs «Bevölkerungspolitik» steht in Deutschland zu Recht unter strenger Beobachtung. Umso bemerkenswerter ist, wenn neuerdings eine «Bevölkerungs­politik» mittels Einwanderungen befürwortet wird. Dabei lehnen die gleichen Leute eine ­Förderung der Geburten ab, und zwar widersinnigerweise mit dem Argument, dass dies «Bevölkerungspolitik» sei.

Die Industrie- und Handelskammern fordern die Ausbildung der Flüchtlinge und Asylbewerber, um ihnen die Integration in den ­Arbeitsmarkt zu ermöglichen, statt sie per Gesetz zur Untätigkeit zu zwingen. Dem kann man kaum widersprechen. Selbstverständlich ist auch, dass man hilfsbedürftige Flüchtlinge nicht ihrem Schicksal überlässt. Eine andere Frage ist es jedoch, ob Deutschland die demografische Basis seines Wohlstands auf Dauer ­dadurch aufrechterhalten kann, dass es den im Inland fehlenden Nachwuchs systematisch durch den anderer Länder via Zuwanderungen kompensiert und die Förderung der Geburten strikt ablehnt, weil dies «Bevölkerungspolitik» wäre.

In seiner Rede zum Auftakt des «Forums ­Demografischer Wandel des Bundespräsidenten – Jahreskonferenz 2005» hatte der frü­here deutsche Bundespräsident Horst Köhler laut darüber nachgedacht, ob «[. . .] die viel­beschworenen demografischen Probleme gar keine Probleme, sondern vielmehr auch ­Lösungen für andere Probleme [. . .]» seien. Beispielsweise hatte er die Bevölkerungsschrumpfung in Deutschland als Mittel zur Kompensation ­des hohen Weltbevölkerungswachstums in ­Betracht gezogen.

Inkompetenz der Verantwortungsträger

Man darf annehmen, dass sich der Bundespräsident darüber informiert hatte, dass Deutschlands Anteil an der Weltbevölkerung nur noch rund ein Prozent betrug – und er sinkt weiterhin. Bei einem so geringen Anteil kann selbst das gänzliche Verschwinden der deutschen ­Bevölkerung das Weltbevölkerungswachstum nicht verhindern, denn die Welt­bevölkerung wächst jedes Jahr um die Einwohnerzahl Deutschlands. Warum machte der Bundes­präsident, der sich bei dieser Kon­ferenz von der Bertelsmann-Stiftung beraten liess, dennoch diesen unpassenden Vorschlag? Bei einem Verschwinden der deutschen Be­völkerung würde der jährliche Zuwachs der Weltbevölkerung nur um wenige Monate ­unterbrochen, danach ginge das Weltbevölkerungswachstum un­gebremst weiter. Wahrscheinlich sind auf der ganzen Welt kein zweiter Präsident und keine zweite Stiftung zu finden, die den Bevölkerungsrückgang ihres Landes als ein Mittel zur Bekämpfung des ­weltweiten Weltbevölkerungswachstums in Er­wägung ziehen.“   (…)

Zum Artikel:

http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2015-38/demografischer-sturzflug-die-weltwoche-ausgabe-382015.html