Medienspiegel

Klimageschichte: Drei Vulkane beendeten die Antike

Vulkanausbrüche läuteten im 6. Jahrhundert eine folgenschwere Kaltzeit ein. Nun wurden die drei Ereignisse erstmals genauer datiert. Doch Rätsel bleiben.

von    –   Auszüge:

„Die kalte Lalia war keine gnädige Herrscherin. Von Mitteleuropa bis Mittelasien hat sie Ernten vernichtet und Völker ins Elend gestürzt. Die Menschen waren hilflos einer Seuche ausgeliefert, sie erduldeten die Eroberung ihrer geschwächten Reiche und den gewaltsamen Sturz von Dynastien. Vom Jahr 536 bis ungefähr 700 standen die Länder rund um die Alpen und das Altai-Gebirge unter dem Einfluss Lalias. In diese Zeit fallen neun der zehn kältesten Dekaden Asiens und fünf der kältesten zwanzig in Europa, jeweils im Vergleich über die vergangenen 1800 Jahre.

Der Name „Lalia“ steht jedoch nicht für eine historische Tyrannin, sondern für eine Epoche. Der Klimaforscher Ulf Büntgen von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) und seine Koautoren aus anderen Ländern haben die Periode im 6. und 7. Jahrhundert so genannt. Der Name ist eine Abkürzung für „Late Antique Little Ice Age“, also die kleine Eiszeit der Spätantike. „In der Zeit ab 536 haben sich die Sommertemperaturen ziemlich schnell um drei Grad in Asien und zwei Grad in Europa abgekühlt“, sagt der Wissenschaftler.“ (…)

„Die einzige Weltgegend, die davon ein wenig profitiert haben könnte, war Arabien. Auch dort gingen die Temperaturen zurück und nahm der Niederschlag zu, aber hier war beides von Vorteil. Auf dem kargen Boden wuchs nun mehr Futter für Tiere, größere Kamelherden bedeuteten mehr Wohlstand und höhere Transportkapazitäten für Händler und Heerführer.

Nur Arabien profitierte wohl

Und dann kam auch noch die Pest nach Europa. 541 trat sie zunächst in Ägypten auf, erfasste im Jahr darauf Konstantinopel und verbreitete sich am ganzen Mittelmeer. Von Persien bis Gallien gab es Ausbrüche, denen ein Viertel der Bevölkerung zum Opfer gefallen sein könnte. Die hohe Todesrate erklärt sich womöglich auch dadurch, dass die Europäer durch Missernten und Konflikte geschwächt und anfällig waren.“

Zum Artikel:

http://www.spektrum.de/news/drei-vulkane-beendeten-die-antike/1398776?utm_medium=newsletter&utm_source=sdw-nl&utm_campaign=sdw-nl-daily&utm_content=heute