Multikulturalismus und Integration: Trügerische Toleranz

Von Matthias Heitmann  / 17.2.2016
„Seit der Silvesternacht gilt «Köln» als Synonym für das Ende des politischen Multikulturalismus in Deutschland. Das wird auch Zeit, denn gerade diese Ideologie steht der erfolgreichen Integration von Zuwanderern im Wege.“ (…)
„In Deutschland ist die als links geltende Idee des «Multikulturalismus» tief verwurzelt. Während in anderen Staaten Europas länger und intensiver politische Fragen der Migration und Integration debattiert wurden, setzte sich schon in den frühen 1980er Jahren in Westdeutschland das Zelebrieren kultureller Vielfalt als Alternative zur spannungsgeladenen politischen Auseinandersetzung durch. Durch den kulturellen Austausch sollten Toleranz und Akzeptanz zwischen den Kulturgruppen gefördert werden. Diese Denkweise stand der Vorstellung einer dominanten Nationalkultur ebenso entgegen wie der in den USA populären Vision des «Schmelztiegels», die vom Verschmelzen der Kulturen ausgeht.“  (…)
„Die Gleichstellung aller Kulturen steht der Integration von Migranten in die Aufnahmegesellschaft entgegen. Darauf wies bereits Ende der 1990er Jahre der deutsch-syrische Politologe Bassam Tibi in seinem Buch «Europa ohne Identität? Leitkultur oder Wertebeliebigkeit» hin: Er kritisierte darin die Bereitschaft von Multikulti-Verfechtern, «die fundamentalistische Forderung nach einer Geltung der Scharia für die in Europa lebenden Muslime im Sinne von multikultureller Toleranz» zuzulassen. Tibis Argument ist hochaktuell: Wer der Zulassung der Scharia zustimmt, muss gesellschaftliche Zonen akzeptieren, in denen islamische Gesetze und nicht nationales Recht gelten. Insofern sind die vieldiskutierten «Parallelgesellschaften» keine unerwünschten Nebenprodukte, sondern Bestandteile einer multikulturellen Gesellschaftsperspektive.“ (…)
Es „wäre es gerade heute zwingend notwendig, offen und kontrovers über eine «Leitkultur» zu reden, die ja durchaus aufgeklärte und sinnvolle Leitplanken für eine gelungene Integration definieren könnte. Doch alle Versuche, diese Diskussion zu führen, scheitern seit Jahren an der linken Verteufelung des Begriffes und an der rechten Unfähigkeit, Standards zu definieren, ohne dabei in ausgrenzende Reflexe zurückzufallen. Die Idee einer progressiven, offenen und integrationsbereiten Leitkultur, wie man sie auch heute noch in grossen Metropolen wie New York, London oder Paris erspüren kann, hat in Deutschland keine Tradition.“  (…)  (Hervorhebung: GB)
Zum Artikel:

http://www.nzz.ch/feuilleton/truegerische-toleranz-1.18696279

Kommentar GB:

„In Deutschland ist die als links geltende Idee des «Multikulturalismus» tief verwurzelt.“

Dem Autor ist offensichtlich klar, dass der Umstand, etwas gelte als links, keineswegs bedeutet, dass es links ist. Das trifft genau den Punkt, um den sich Selbstmißverständnis angeblicher Linker hierzulande dreht.

Auf den syrischen Autor Bassam Tibi, der viele Jahre als Professor in Göttingen tätig war und zahlreiche sehr empfehlenswerten Bücher über das Verhältnis Europas zum Islam geschrieben hat, möchte ich ausdrücklich hinweisen. Der Begriff der Leitkultur geht auf ihn zurück.

Leitkultur kann m. E. bestimmt werden als Mindestgrad der kulturellen Assimilation, hier von Immigranten aus dem islamischen Raum.

Multikulturalismus setzt demgegenüber auf Akkulturation, den Gegenbegriff der Assimilation.

Akkulturation führt zu Segregation, hier zu religiösen Parallelgesellschaften.  

Was derzeit hierzulande notorisch fehlbeurteilt wird, dass ist die Rolle des Islam und seiner klerikalfaschistischen Sozialdoktrin als Hindernis einer Mindestassimilation.

Zwar ist der übliche Bezug auf das Grundgesetz juristisch zutreffend, geht aber angesichts eines muslimischen Rückbezugs auf den Koran, der als wörtlicher Wille Allahs geglaubt wird, schlicht ins Leere, oder er führt faktisch in die Irrelevanz. Maßgeblich werden dann allein die faktischen Machtverhältnisse zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen in der jeweiligen Gesellschaft. Was das empirisch bedeutet, das kann in etlichen europäischen Ländern bereits heute beobachtet werden.

http://www.dumont-buchverlag.de/buch/houellebecq-unterwerfung-9783832197957/

Im Normenvergleich zwischen z. B. dem Grundgesetz und Koran gilt für Muslime nur ein Gesetz, nämlich der Koran (mit Scharia, etc.).

Solange dieser normative Geltungsanspruch des Koran nicht aufgegeben wird, ist eine Integration im Sinne einer Mindestassimilation („Leitkultur“) ausgeschlossen.

Abgesehen von Einzelfällen kann sie deshalb insgesamt nur mißlingen.

Daher gilt: der Islam das Problem.