Medienspiegel

Afrikas Ausplünderung

„Immer mehr Menschen verlassen den Kontinent – und das Geld auch. Es verschwindet oft in Briefkastenfirmen. Wer Afrika helfen will, darf daher nicht bloß Entwicklungshilfe betreiben – sondern muss auch beim Kampf gegen Steuerflucht und Korruption ansetzen.

Kommentar von Tobias Zick

Für die europäische Politik wird Afrika immer dann interessant, wenn die Probleme des Nachbarkontinents auch physisch ins Bewusstsein vorstoßen. Die Ebola-Krise im Jahr 2014 etwa erreichte aus nördlicher Perspektive ihren gefühlten Höhepunkt, als sich plötzlich vereinzelt US-Amerikaner und Europäer infizierten.

Armut und Arbeitslosigkeit, repressive Regime, Terror und Bürgerkriege drängen sich dann auf der europäischen Agenda weit nach oben, wenn Menschen, die vor all dem fliehen, zu Tausenden auf Booten an Italiens Küsten stranden oder auf dem Weg dorthin ertrinken.

Nach dieser Logik kommen zurzeit einige Gründe dafür zusammen, Afrika für wichtig zu halten. In der Staatsruine Libyen warten Zehntausende Migranten aus südlicher gelegenen Ländern darauf, ihre Überfahrt in Richtung Hoffnung anzutreten, und die europäische Sichtweise, dass dies eher ein Problem als eine Chance darstelle, ist für die wenigsten von ihnen so überzeugend, als dass sie es sich deswegen anders überlegen würden. Zugleich wütet der islamistische Terror in Afrika an diversen Fronten.“

http://www.sueddeutsche.de/politik/panama-papers-afrikas-auspluenderung-1.2953028

Kommentar GB:

Die EU hätte jeden Grund, sich um eine konstruktive, d. h. den Afrikanern, nicht nur deren jeweiligen Machteliten zugute kommende Wirtschaftspolitik zu bemühen und sich dabei eben nicht ständig an kurzfristigen Eigeninteressen europäischer Konzerne zu orientieren.

Ein sich positiv entwickelndes Afrika liegt im europäischen Interesse. Ein zerfallendes und verarmendes Afrika hingegen ist eine große Bedrohung. Das ist die Problemlage, die von der europäischen Politik bewältigt werden muß.

Im Januar 2015 schrieb ich hierzu folgendes:

„Europäische Afrikapolitik

Die großen Notlagen in vielen Ländern Afrikas stellt die EU vor besondere Herausforderungen, denn diese Notlagen sind zwar nicht immer, aber doch nicht selten direkt oder indirekt durch die europäische Afrikapolitik im weiten Sinne verursacht worden. Wenn zum Beispiel die EU den afrikanischen Fischern die Fische ihrer Gewässer wegfängt: wie sollen diese Menschen dann überleben?

Könnten die Menschen dort ohne Not und mit einer Entwicklungschance leben, dann würden sie schwerlich nach Europa auswandern wollen, einerlei ob legal oder illegal. Wie gewaltig groß muss der Elendsdruck sein, dass Männer, Frauen und Kinder ihr Leben riskieren, um ihm zu entkommen? Und um dabei nicht selten den Tod im Mittelmeer zu finden? Allerdings müssen hierbei zugleich auch falsche oder unerwünschte Anreize zur illegalen Immigration in den Blick genommen werden, ebenso wie Schleuserkriminalität.

Jedenfalls müsste die europäische Afrikapolitik selbstkritisch beleuchtet und diskutiert und ggf. verändert werden. Davon aber hört und liest man nichts. Also ist das der Punkt, der dringend auf die politische Agenda Europas gehört. Wenn die EU ihre Afrikapolitik nicht ernsthaft daraus ausrichtet und auch gegen eigene kurzfristige wirtschaftliche Interessen darauf hinwirkt, dass die afrikanischen Länder den Menschen dieser Länder eine realistische Chance in Gegenwart und Zukunft geben können, dann wird die Auswanderung in Richtung Europa in der derzeitigen Art und Weise nicht aufgehalten werden können. Die aber muss – ansetzend an der Ursachen – beendet werden.

Afrika braucht Entwicklungspfade, die die eigenen Produktivkräfte freisetzen, und das wäre, nicht nur von der EU, politisch zu fördern. Ein sich gesellschaftlich und ökonomisch positiv entwickelndes Afrika könnte zukünftig für Europa so viele Chancen bieten, wie das heute in China der Fall ist. Nur wenige haben sich seinerzeit vorstellen können, welche enormen, überwiegend positiven Wirkungen innerhalb weniger Jahrzehnte von den Reformen Deng´s in China ausgehen sollten. Es mag sein, dass Afrika deutlich mehr Zeit braucht. Aber die europäische Politik sollte sich im eigenen langfristigen Interesse umorientieren: weg von einer Nutzungs- und Abgrenzungs-haltung, und hin zu einer fördernden Kooperationshaltung. Das geht jedoch nur, wenn auf Seiten der kurz- bis mittelfristigen Interessen Verzicht geleistet wird.

Wenig veranschaulicht die bisherige und zu überwindende Haltung der EU und Nordamerikas zu Afrika besser als die derzeitige Ebola-Epidemie. Die Gleichgültigkeit ihr gegenüber war solange offensichtlich, bis sie auf andere Kontinente überzuspringen drohte. Dann, erst dann wurde gehandelt. Und das ist nicht weniger als eine Schande.“

https://le-bohemien.net/2015/01/09/immigration-aufklaerung-statt-diffamierung/