Medienspiegel

Die neuen Juden?

Sebastian Moll

„Muslime sind die neuen Juden. Seit langem geistert dieser Satz nun schon durch die deutsche Medienlandschaft, ohne dass ihm ernsthafter Widerspruch beschieden wäre. Juden sollten sich aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen mit den diskriminierten Muslimen solidarisieren, so die implizite und manchmal sogar explizite Botschaft. Was ist dran an dieser Gleichsetzung?“

„Kürzlich hat der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland,

Aiman „Das hat nichts mit dem Islam zu tun“ Mazyek,

diesen Gedanken aufs Neue befeuert, indem er die Islamkritik der AfD mit dem Antisemitismus der NSDAP verglich: „Seit Hitler haben wir wieder eine Partei in Deutschland, die sich programmatisch, voll und ganz, auf einen Kurs einstellt gegen eine gesamte Religionsgemeinschaft und sie existentiell bedroht.“

Dass es auch in diesem Fall keinen nennenswerten öffentlichen Widerspruch gab, mag damit zusammenhängen, dass niemand in den Verdacht geraten möchte, die AfD zu verteidigen. Aber darum geht es nicht. Die Pläne der AfD, den Islam mit politischen Mitteln bekämpfen zu wollen, sind in der Tat fragwürdig. Weitaus fragwürdiger, um nicht zu sagen unerträglich, ist hingegen die Anmaßung muslimischer Funktionäre, die Kritik ihnen gegenüber mit dem Leid der verfolgten Juden gleichzusetzen. Die folgenden beiden Fragen mögen dabei helfen, dieses lächerliche Schauspiel zu entlarven.“ (…)

„Die antisemitischen Vorwürfe, die ja keineswegs erst mit dem Nationalsozialismus ihren Anfang nahmen, sind so überaus zahlreich, dass sie an dieser Stelle nicht in ihrer Gesamtheit aufgelistet werden können. Es mag genügen, darauf hinzuweisen, dass man sich hier keineswegs auf Lappalien beschränkte. Den Juden wurde ebenso die Schuld für die (mittelalterliche) Pest wie auch den verlorenen Weltkrieg gegeben. Angeblich beherrschen die Juden außerdem die internationale Finanzwelt, wodurch es ihnen möglich ist, Staaten in ihre Abhängigkeit zu bringen. Alles in allem arbeiten sie unentwegt an der Erlangung der Weltherrschaft. Wie gesagt, man könnte diese Vorwürfe nun noch im Detail weiter ausführen. Doch egal, wie weit man in die Tiefe geht, eines haben alle diese Vorwürfe gemeinsam. Sie sind erstunken und erlogen! Es sind reine Hirngespinste von Fanatikern, ohne jede empirische Grundlage.

Gibt es eine Parallele?

Wie sieht es auf der anderen Seite aus? Welche Vorwürfe werden der islamischen Welt gemacht?

Keine Religionsfreiheit, Todesstrafe für Apostasie, Unterdrückung der Frau, Zwangsehen, Ehrenmorde, Wissenschaftsfeindlichkeit, keine Trennung von Staat und Religion, Unfähigkeit zur Selbstkritik, Verherrlichung von Gewalt, zivilisatorische Rückständigkeit und – nicht zu vergessen! – Antisemitismus.

Wenn man sich nun ein wenig in der islamischen Welt umschaut, wird man schnell feststellen, dass diese Vorwürfe keineswegs aus der Luft gegriffen sind.

Im Gegenteil, die meisten dieser durchaus schweren Vorwürfe haben konkrete Grundlagen. Diese werden nicht einmal geleugnet oder vertuscht, sondern befinden sich im Einklang mit den Statuten der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC). Für eine Kritik des Islam müssen keineswegs immer die jüngsten Terroranschläge bemüht werden. Es genügt ein Blick in die Alltagspraxis islamischer Staaten.

Angst sei ein schlechter Ratgeber, heißt es. Ich persönlich habe diese Aussage nie verstanden. Meiner Ansicht nach ist Angst ein hervorragender Ratgeber. Ohne Angst wären wir überhaupt nicht lebensfähig, weil nur sie uns vor Gefahren bewahrt.

Natürlich gibt es auch völlig irrationale Ängste. Zu diesen gehört beispielsweise die Angst vor unseren jüdischen Mitbürgern. Von ihnen ging zu keiner Zeit je irgendeine Gefahr für unser Gemeinwesen aus.

Der Islam hingegen stellt eine eindeutige Bedrohung für unseren freiheitlichen Staat dar.

Ob sich ein freiheitlicher Staat allerdings wirksam davor schützen kann, darf – mit Böckenförde – zurecht bezweifelt werden.“

(Hervorhebungen GB)

http://www.theeuropean.de/sebastian-moll/10899-moslems-in-deutschland-reklamieren-opferrolle

sowie

Gudrun Eussner

Konferenz Feindbild Muslim – Feindbild Jude. Ein Skandal

http://www.eussner.net/artikel_2008-12-06_16-02-31.html

und

Gudrun Eussner

Der Salafist Tariq Ramadan: „verunglimpft wie ein muslimischer Jude“

http://www.eussner.net/artikel_2005-11-15_23-54-57.html

Kommentar GB:

Furcht liegt vor, wenn es vernünftige, sachliche Gründe im Hinblick auf eine Gefahr gibt.

Gibt es es solche Gründe, aber können sie nicht klar erkannt, sondern nur erspürt werden, dann ist die Reaktion Angst, aber verbunden mit einer Ahnung von Gefahr und daher einem Anteil Furcht, die sich nur deshalb der Begründbarkeit entzieht, weil es an Information mangelt.

Einen solchen sozialpsychologischen Dauerzustand gab es beispielweise während des Kalten Krieges in der alten Bundesrepublik. Die Atomwaffentests in der Atmosphäre, das offenkundige Wettrüsten, und dann die Kubakrise verfestigten ihn zu einem Lebensgefühl, über das aber kaum gesprochen wurde.

Jedoch die Ostermärsche und die Friedensbewegung waren Reaktionen auf diese Angst und diese Furcht, die im Falle der Nachrüstung (Pershing II) an einem konkreten Projekt festgemacht werden konnte. Spieltheoretisch und auch politisch-praktisch gesehen war damals Bundeskanzler Schmidt zwar im Recht, aber von der Bevölkerung zu erwarten, ein solches Kalkül vertrauensvoll mitzuvollziehen, dass war dann doch zuviel verlangt. Immerhin: Schmidt hat das gesehen und verstanden.

Angst liegt vor, wenn es solche Gründe nicht gibt, ein Subjekt sich aber so fühlt, als gäbe es sie. Das leicht Wahnhafte dieses Zustandes kann sich in schweren Fällen bis zur Paranoia steigern.

Was wir heute in den Medien erleben, wenn von Ängsten, oder schärfer von Phobien, die Rede ist, das ist fast immer, aber nicht in diesem Fall, der infame Versuch, rationale Furcht als irrationale Angst zu deklarieren, um unterschlagen und verleugnen zu können, dass es triftige Gründe für rationale Furcht gibt: dass die Furchtsamen also Recht haben, weil es triftige Gründe gibt für ihre Furcht. Also nicht: Islamophobie, sondern: Furcht vor dem Islam, triftig begründet durch den Djihad.

Das nun ist es, was keinesfalls zugegeben werden soll.

Die künstliche und irreale Spaltung von (gutem oder harmlosen) Islam und (bösen oder gefährlichen) Islamismus, die von den Medien zelebriert wird, verdankt sich genau diesem Motiv. Es ist nur so: sehr vielen Leuten ist völlig klar, dass das falsch ist. Und den Sicherheitsbehörden ist das genauso klar.

Das ist wenigstens etwas.