Medienspiegel

Ein neuer, hybrider Terrorismus kommt zu uns!

Veröffentlicht

Nicolas Stockhammer

„Eine neue Welle des Terrorismus kommt auf uns zu.

Er ist anders als der, den wir bereits kennen.

Aber dadurch ist er nicht ungefährlicher geworden…“

„Die Terroranschläge von Paris und zuletzt in Brüssel können durchaus als eine Zäsur in der Entwicklung des transnationalen Terrorismus betrachtet werden. Vergleiche mit dem 11. September oder einem neuen 30-jährigen Krieg wurden vielerorts bemüht. Im Anschluss an David C. Rapoports häufig zitierten „Vier Wellen“–Ansatz zur Genese des Terrorismus (anarchistischer / ethno–nationaler bzw. anti–kolonialer / sozialrevolutionärer / religiös–fundamentalistischer Terrorismus) wird nun darüber debattiert, ob wir es mit einer neuen Erscheinungsweise des Terrors zu tun haben, eventuell sogar mit einer fünften Welle eines „hybriden Terrorismus“. Die Hybridität kommt vor allem auf der taktischen und operativen Ebene zum Ausdruck, wobei sowohl die scheinbar beliebige und doch systematische Wahl der Anschlagsziele als auch der Mittel im Sinne einer bewussten, simultanen Vermengung unterschiedlicher Terrortypologien (Amokattentate mit Schnellfeuergewehren, Selbstmordanschläge mit Sprengstoff etc.) dem Anschein nach die althergebrachten Denkkategorien in der Bewertung der Vorgehensweise terroristischer Organisationen weitgehend zu amalgamieren scheinen.

Die IS ist imstande große Terroranschläge durchzuführen

Seit dem 13. November 2015 ist nun jedenfalls evident, dass auch der Islamische Staat (IS) gleichermaßen operativ und logistisch imstande ist, größere terroristische Vorhaben in Europa auszuführen. Bislang herrschte unter Terrorismusexperten weitgehend Konsens darüber, dass konzertierte jihadistische Attacken auf Metropolen in den weichen Zentren Europas aufgrund der hohen Planungsintensität dem Terrornetzwerk al–Qaida vorbehalten seien. Zudem widerspreche ein solcher Plot der klassischen Strategie einer Terrormiliz, so der einhellige Tenor. Diese Annahme scheint nunmehr widerlegt zu sein.

Die Angriffe auf Paris und ganz aktuell in Brüssel sind zugleich Angriffe auf die erodierende Deutungshoheit al–Qaidas über den Jihad. Dem Vernehmen nach hat die Terrorgruppierung des IS ihre Orientierung am nahen Feind teilweise aufgeweicht oder zumindest temporär zugunsten einer nunmehrigen Profilierung als Terrororganisation aufgegeben, was angesichts schwerwiegender territorialer Verluste in Syrien und dem Irak nachvollziehbar ist. Denn seine Strategie jedoch eher auf die regionale Verwirklichung der Kalifats-Utopie ausgerichtet, deren Anspruch die Durchsetzung eines totalitären Lebens- und Gesellschaftsentwurfes ist. Die entsprechende Taktik des IS oszilliert zwischen terroristischem Milizkampf vor Ort und transnationalem Terror. Ein Kalifat bedarf eines kontrollierten Territoriums, das ihm zugrunde liegt, weshalb räumliche Expansion und Machtkonsolidierung für die Terrormiliz lange als prioritär angesehen wurden. Aufgrund massiver Gegenoffensiven im Raum sah man sich im Kalifat des Terrors zuletzt gezwungen, Machtbasen wie Palmyra, al-Qaryatain der feindlichen Übermacht preiszugeben.“  (…)

http://www.theeuropean.de/nicolas-stockhammer/10885-angst-vor-terroranschlaegen-waechst