Medienspiegel

Flaschenpost aus Richistan

Panama Papers

Sehr informativ ist der Beitrag im Weser Kurier:

http://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-politik-wirtschaft_artikel,-Der-dunkle-Weg-des-Geldes-_arid,1348362.html

sowie:

Briefkastenfirmen, Geldwäsche, Steuerbetrug

Panama: Die gute Gesellschaft gerät in Verruf

Dienstag, 5. April 2016

Panama: Die gute Gesellschaft gerät in Verruf

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/04/05/britischer-diplomat-kommen-auch-die-schmutzigen-deals-des-westens-ans-licht/

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/04/05/politiker-nervoes-us-justiz-durchforstet-panama-papers-auf-korruption/

http://blog.arbeit-wirtschaft.at/steuerfluchtmitsystem/

Kommentar GB:

Neu hieran ist, dass vermutlich zum ersten Mal ein Blick in diese black box geworfen werden kann. Die Existenz zahlreicher  sogenannter Steueroasen ist seit langem öffentlich bekannt, man denke zum Beispiel an Luxemburg, Liechtenstein, Delaware (USA), und viele, viele andere. Panama ist nur einer von vielen Orten für das große Versteckspiel, aber die Medien starren jetzt dorthin und suggerieren, das es um dieses eine Land ginge. Genau das ist aber nicht der Fall, und das grenzt deshalb an Irreführung.

Tatsächlich geht es um ein globales virtuelles Land, das der Soziologe Hans-Jürgen Krysmanski RICHISTAN genannt hat, und es geht um die Bewohner eben dieses Landes. Die sogenannten Steueroasen sind gewissermaßen die lokalen Finanz-Stützpunkte, die dieses globale Land RICHISTAN benötigt. Ich verweise besonders auf das Krysmanski-Buch „Hirten & Wölfe“, Verlag Westfälisches Dampfboot: Münster.

Abgesehen von den oben im Artikel von Horn genannten Motiven dürfte es weitere geben, etwa ein Wunsch, Großvermögen stark zu diversifizieren und zu verteilen, so dass wie auch immer bedingte lokale Verluste sich insgesamt nicht auswirken können. Ebenso dürfte es ein mächtiges Motiv nach Diskretion geben. Die milliardenschweren Superrreichen – von Krysmanski defininiert mit einer verfügbaren Tageskasse von mehr als 300 Mio. $ – möchten zumeist unerkannt und verborgen leben und wirken, auch aus Gründen ihrer persönlichen Sicherheit, und um nicht sozialen Neid zu nähren; ein Motiv, dass vermutlich auch bei dem privaten Stiftungswesen (charity) eine nicht unwichtige Rolle spielt. Private Stiftungen wirken legitimierend für den Großen Reichtum, denn mit Leistung alleine läßt er sich zwar auch aber nicht hinreichend erklären und legitimieren. Man denke hier etwa an Bill Gates (Microsoft).

Mit Donald Trump haben wir nun einen Bewohner von Richistan vor Augen, der in die Öffentlichkeit gegangen ist, um sich um das Präsidentenamt zu bewerben. Sein Auftreten wird verständlicherweise  durchwegs als nicht von der feinen Art erlebt und beschrieben. Und Fritz Stern zum Beispiel hat Trump   sinngemäß als – abgesehen vom Geld – beschränkt charakterisiert.

Geldadel ist eben nicht Adel, es gibt da kein: noblesse oblige. Als Mitglied des Geldadels nimmt sich Trump offen heraus, was die anderen in ihrer Verborgenheit ebenso tun – oder tun können. Er pfeift auf die Republikanische Partei, und auf die political correctness, und er schaut dem Volk aufs Maul. Das kommt an, weil er es sich leisten kann, jenen Verdruß zu artikulieren, den die vielen kleinen Leute immer nur herunterschlucken müssen.

So ein böser Populist aber auch, wie kann er nur, also, das geht doch gar nicht, in unseren Kreisen!

Wie peinlich das alles ist!

Aber: man mag Donald Trump zwar so oder so beurteilen, aber der Mann ist, als Superreicher, wirklich unabhängig, auch von der Wall Street vermutlich, die ihre Vertraute in Frau Clinton hat, welche wenig überzeugend versucht, mit ihrem Frau-Sein zu punkten. Trump macht, indem er aufgreift, was andere unter den Teppich gekehrt haben, einfach das, was er für erfolgversprechend hält, und das hat bisher zumindest erstaunlich gut geklappt. Trump dürfte sich bestätigt fühlen. Und er demonstriert, wer in der heutigen Gesellschaft souverän ist und das Sagen hat; in diesem Fall offen, sonst aber geschieht das meist in aller Stille und Verborgenheit.