Medienspiegel

Kein Verständnis in Deutschland für US-Kampfansage an Russland

Die dauerhafte Stationierung einer US-Panzerbrigade in Osteuropa stößt in Deutschland auf wenig Verständnis: General Breedlove sagte, die Maßnahme sei gegen die aggressiven Russen notwendig. Die deutschen Zeitungen äußern sich überraschend ablehnend und schreiben, dass es sinnvoller wäre, die Panzer im Nahen Osten gegen den IS einzusetzen.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/04/01/kein-verstaendnis-in-deutschland-fuer-us-kampfansage-an-russland/

http://www.fr-online.de/politik/russland-und-nato–reaktion-auf-eine-ausgedachte-bedrohung-,1472596,34030238.html

Kommentar GB:

Ein Großer Eurasischer Bogen zwischen Brüssel, Moskau und Beijing dürfte für Washington eine ausgesprochen gruselige Vorstellung sein. Die USA haben daher ein geopolitisches Interesse an der Spaltung Europas, denn eine politisch handlungsfähige EU mit vernünftigen wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu Rußland (und China) würde den US-Einfluß in Eurasien zurückdrängen und womöglich gefährden. Das gilt nicht zuletzt für Zentralasien mit seinen Ölressourcen, die aus US-Sicht China entzogen bleiben sollen. Denn China ist der aufsteigende Hauptrivale für die Weltmacht USA.

Bundeskanzler Schröder hat seinerzeit diesen Weg einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Rußland eingeschlagen, und er hat US-Präsident Bush bei seinem Irak-Krieg nicht unterstützt, was ihm von diesem verübelt wurde. Seine Nachfolgerin hat sich in jeder Hinsicht als fügsamer erwiesen, und sie wurde und wird deswegen geschätzt, zumindest in Washington. Mittels der NATO-Politik gegenüber Rußland – einschließlich der Ukraine-Politik – wird diese US-Politik der Spaltung durchgesetzt, und mittels der Migrationspolitik, die zugleich die Kollateralkosten der US-Nahostkriege auf Europa verteilen soll, wird die EU politisch massiv geschwächt. Zugleich wird Rußland durch Wirtschaftssanktionen stark bedrängt.

Das Konfliktrisiko steigt durch all diese politischen Maßnahmen an. Naher und Mittlerer Osten sind destabilisiert worden sind, so dass sie mittlerweile mindestens teilweise außer Kontrolle sind. Das förderte zugleich einen innerislamischen Religionskrieg zwischen Sunniten (Saudi-Arabien) und Schiiten (Iran), in dessen Kontext  der globale Djihad ausgerufen worden ist und seit Jahren asymmetrisch realisiert wird. Das heißt, der islamische Klerialfaschismus (sunnitischer Prägung) versucht den Aufstand gegen den US-geführten, neoliberal-kapitalistischen Westen.

Man sieht jetzt, dass es Schlimmeres gibt als schlimme Diktaturen, nämlich das Chaos, also jener „Naturzustand“, den Thomas Hobbes so fürchtete. Und im Vatikan wird besorgt vom III. Weltkrieg gesprochen, nicht zu Unrecht womöglich.

Inwieweit ist die Bundesregierung fähig, bereit und willens, diesen US-Politiken  entgegen zu wirken?