Medienspiegel

Österreichs Linke überlässt politisches Feld den Rechten

„Über das Totalversagen einer pseudolinken Politik der letzten Jahrzehnte.“

 (Die Presse)

„Die Linke in Österreich schlittert immer tiefer in die Krise und klassisch linke Werte verschwimmen zwischen den Parteigrenzen bis zur Unkenntlichkeit. Nach dem ersten Wahlgang der Bundespräsidentenwahl am vergangenen Sonntag steht Österreichs politische Welt sowieso Kopf. Einerseits schaffte ein ehemaliger bürgerlicher Grünpolitiker den Einzug in die Stichwahl und wird nun als linke Ikone gegen den „rechten Hofer“ inszeniert. Andererseits wurden die SPÖ als ehemaliger Hort linker Politik und ihr Kandidat Rudolf Hundstorfer bei den Wahlen marginalisiert.

Das Wahlergebnis legt auch den Riss innerhalb der SPÖ offen. Symptomatisch dafür steht der Konflikt in der Asylfrage: Die Regierungsmitglieder in der Wiener SPÖ rund um Bürgermeister Michael Häupl sind die „guten Linken“, der burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl sowie Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil aber werden als „rechte Sozialdemokraten“ gebrandmarkt.

Diese Trivialisierung ist nicht nur gefährlich, sondern offenbart auch das Totalversagen einer pseudolinken Politik der vergangenen Jahrzehnte – zum Beispiel bei der Armutsbekämpfung oder der Vermögensverteilung.“   (…)   –

http://diepresse.com/home/meinung/gastkommentar/4976300/Osterreichs-Linke-uberlaesst-politisches-Feld-den-Rechten

https://www.freitag.de/autoren/guenterbuchholz/von-der-frauenemanzipation-zur-frauenprivilegierung

Kommentar GB:

Die Schwäche der Linken i. w. S., nicht nur in Österreich, hat sehr viel mit zwei von ihr verleugneten Prozessen zu tun:

  1. mit dem Kritikverzicht – einschließlich der Religionskritik – und der Anpassung an die – nach dem Willen der Herrschenden – neoliberal (im Sinne von Friedman und Hayek) geprägte „kapitalistische Produktionsweise“ (Karl Marx). Die Linke i. w. S. hat sich damit den Herrschenden unterworfen, und als Unterworfene ist sie zur Scheinlinken degeneriert. Das hören unsere großtönenden Scheinlinken gar nicht gerne, aber die Herrschenden wissen das. Von der Scheinlinken geht für sie keinerlei Gefahr aus. Im Gegenteil, sie können sie mühelos für ihre Zwecke instrumentalisieren. Scheinlinke erscheinen mittlerweile in der politischen Öffentlichkeit immer deutlicher wahrnehmbar als die Hampelmänner und -frauen (wie heutzutage „politisch korrekt“ hinzuzufügen ist), die sie für die Herrschenden tatsächlich sind.
  2. mit der Theorievergessenheit im Hinblick auf die eigenen Denktradition und mit der gleichzeitigen Übernahme der postmodernen (zumeist französischen) Philosophie, einer modernen Erscheinungsform des Irrationalismus, hat die Linke, die einst als Ausdruck des Rationalismus und der Aufklärung angetreten war, geistig vollständig kapituliert. Anstatt eine vernünftige linke Position zu rekonstruieren, sind die noch stalinistisch geprägten französischen Intellektellen und die ihnen folgenden deutschen Irrlichter beiderlei Geschlechts ins nietzscheanisch inspirierte Lager des Irrationalismus übergewechselt.
  3. Ein Versuch einer Rekonstruktion der linken Denktradition liegt vor, nämlich in Gestalt des umfangreichen Buches von                                                                                                                 Horst Müller: Das Konzept PRAXIS im 21. Jahrhundert, 1. Aufl. 2015, ISBN: 978-3-7386-4684-9.   –   Es sollte gelesen und diskutiert werden.