Medienspiegel

Philosophie der Aufklärung zwischen Geschichte und Haltung

Reise ins Ungewisse: Brauchen wir eine neue Aufklärung?

Essay  –  Konrad Paul Liessmann   –  16. April 2016

„Der Kurs europäischer Gesellschaften gleicht den früheren Entdeckungsreisen der Seefahrer. Landkarten, die Orientierung geben sollen, scheinen ihren Wert verloren zu haben. Das Europäische Forum Alpbach widmet sich in diesem Jahr dem Thema „Neue Aufklärung“. Im Ankündigungstext konnte man dazu Folgendes lesen: „Die Denkwerkzeuge der Aufklärung, allen voran die Vernunft, reichen nicht mehr aus, um die Herausforderungen der Gegenwart zu meistern. Der Kurs europäischer Gesellschaften gleicht den Entdeckungsreisen der Seefahrer längst vergangener Tage. Landkarten, die Orientierung und Sicherheit geben sollen, scheinen ihren Wert verloren zu haben. Wir reisen ins Ungewisse und müssen in vielen Bereichen neue Wege und Routen erst erkunden.“ Was an diesem Befund verblüfft ist: weniger das Eingeständnis der Orientierungslosigkeit, sondern die These, dass die Denkwerkzeuge der Aufklärung, vor allem die Vernunft, nicht mehr ausreichen, um Auswege aus dieser Ungewissheit zu weisen. Man fragt sich unwillkürlich, welche sonstigen Werkzeuge zum Einsatz gebracht werden sollen – voraufklärerische oder postaufgeklärte? Und was hat man sich darunter vorzustellen? Emotionen, Affekte, Offenbarungen, Algorithmen? Wer über die Grenzen der Aufklärung nachdenkt, kommt nicht umhin, sich ihres Begriffes überhaupt einmal erst zu versichern.  (…)

http://derstandard.at/2000034984382/Reise-ins-Ungewisse-Brauchen-wir-eine-neue-Aufklaerung

Aufklärung als wichtigste Grundlage der heutigen europäischen Gesellschaft? Ein sehr konkreter Einspruch aus der Perspektive der Geschichtswissenschaft: Die meisten Philosophen konnten nur dank ihrer Mäzene publizieren – und vertraten dabei deren Interessen.

15.04.2016 |   (Die Presse)

http://diepresse.com/home/spectrum/zeichenderzeit/4968564/Vom-Aufklaeren

Kommentar GB:

Aufklärung ist der Versuch, den Irrationalismus durch die Vernunft zu überwinden.

Irrationale Gesellschaften sollen in vernünftige Gesellschaften transformiert werden.

Aufklärung ist nicht zu haben ohne Religionskritik, die ihren Schwerpunkt heutzutage im  Islam haben muß: die notwendige Säkularisierung muß dabei das Ziel sein.

Aufklärung muß heute darüber hinaus den philosophischen Irrationalismus (französische Postmoderne) kritisch aufarbeiten und unwirksam machen, einschließlich jener irrationalen Ideologien, die aus ihm sich speisen (z. B. Feminismus / Genderismus).

Aufklärung ist ebenso wenig zu haben ohne eine Kritik der Politischen Ökonomie, in notwendiger Verbindung mit transformatorischen Perspektiven, weil es nämlich eine gesellschaftliche Handlungs- und Gestaltungsfreiheit nur geben kann, wenn das gesellschaftlich Unbewußte bewusst gemacht wird (siehe hierzu: Gerhard Stapelfeld).

Aufklärung ist schließlich auch die Aufklärung des Individuums über die eigenen Person, die ohne eine Bewusstmachung ihres Unbewussten nicht vollständig ist (siehe hierzu: Erich Fromm).