Austeritätspolitik: Nur ein Schuldenschnitt würde Griechenland helfen

Das Schuldnersein hängt Griechenland wie ein Mühlstein um den Hals. Das ist ökonomisch falsch und hilft niemandem. Ein Gastbeitrag von Wirtschaftswissenschaftler Heinz-J. Bontrup.

(…) „Es gibt jedoch im neoliberalen Lager nach wie vor hartnäckige Verweigerer eines Schuldenschnitts. Allen voran der deutsche Finanzminister. Der Jurist Wolfgang Schäuble versteht offensichtlich die Ökonomie nicht. In jedem Lehrbuch der Makroökonomie steht etwas über das „gesamtwirtschaftliche Sparparadoxon“, das sich aus der „einzelwirtschaftlichen Rationalitätsfalle“ ergibt.

Das bedeutet: Für einen privaten Haushalt ist es rational, sein Vermögen durch Sparen zu vermehren. Tun es aber alle, dann gehen auch die Einnahmen (Umsätze) der Unternehmen zurück und der Staat nimmt weniger Steuern ein. Die Krise ist dann da. Kürzt jetzt zusätzlich noch die Politik wegen der neoliberalen Forderung nach einer „schwarzen Null“ im Staatshaushalt die öffentlichen Ausgaben, verhält sich also parallel zu den Privaten, dann verschärft sich die Krise gefährlich. Am Ende haben alle durch ihr Sparen (Kürzen) nicht mehr, sondern paradoxerweise weniger Vermögen oder noch mehr Schulden.

Mit einer solchen Politik wurde die erste deutsche Demokratie, die Weimarer Republik, zerstört und dem Hitler-Faschismus 1933 der Weg bereitet. Heute haben die Kürzungsorgien aus Griechenland eine Elendsökonomie gemacht. 25 Prozent registrierte Arbeitslose, die wirkliche Zahl ist noch höher, und eine Arbeitslosenquote bei den Jugendlichen von 50 Prozent – das sind dafür nur zwei konkrete ökonomische Anhaltspunkte.“ (…)

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