Medienspiegel

Das Elend der Theologie

Gibt es einen Weltfrieden ohne Religionsfrieden?

Der interreligiöse Dialog steht vor großen Herausforderungen, weil der Weltfrieden nicht zuletzt vom Religionsfrieden abhängt.

Prof. Dr. Dr. h.c. Karl-Josef Kuschel lehrte von 1995 bis 2013 Theologie der Kultur und des interreligiösen Dialogs an der Fakultät für Kath. Theologie der Universität Tübingen. Zugleich war er stellv. Direktor des Instituts für ökumenische und interreligiöse Forschung der Universität Tübingen.

(…) „Religionen vertreten Wahrheitsansprüche gegeneinander. Das darf man nicht verharmlosen, nicht bagatellisieren. Ein Jude wird sich immer orientieren an der Tora, ausgelegt in Mischna und Talmud. Christen werden sich immer an Botschaft und Person Jesu Christi orientieren, der für sie der definitive Interpret Gottes ist. So wie sich ein Muslim für sein Leben und Sterben am Koran orientiert als dem für ihn definitiven „Wort Gottes“. Ich nenne das die theologische Axiomatik, und sie macht ja auch eine Religion zur „Religion“. Die entscheidende Frage aber ist: Gibt es unter Respektierung dieser Wahrheitsansprüche in jeder der genannten Religionen auch Raum für den Glauben der Anderen?“

(…)

http://www.theeuropean.de/karl-josef-kuschel/10980-interview-mit-karl-josef-kuschel

Kommentar GB:

  1. Mit theologischen „Wahrheitsansprüchen“ jeglicher Art sind stets ideologische Gewißheitsanmaßungen gemeint.
  2. Die oben gestellte Frage ist einfach zu beantworten, nämlich mit: Nein, denn es handelt sich um Irrationalismen, die in einem antagonistischen Verhältnis zueinander stehen, und zwar auch dann, wenn alle Beteiligten sich darauf verständigen sollten, diese Antagonismen nicht zum Eklat zu treiben, sondern statt dessen duldend, also tolerant miteinander umzugehen, was allerdings nur bei verläßlicher und dauerhafter Wechselseitigkeit möglich ist.
  3. Einseitige Toleranz bedeutet Unterwerfung, also: Islamisierung.
  4. Was ist der Islam? Was ist er in religiöser, was in gesellschaftlicher, was in politischer Hinsicht? Was steht in seinen Quelltexten, und was lehrt uns seine Geschichte? Das sind die Fragen, die vor aller Urteilsbildung und vor allen daraus abzuleitenden Absichten zu beantworten und zu klären wären. Darauf wäre hier angemessen einzugehen gewesen.
  5. Leider äußert sich Herr Kuschel, obwohl er für interreligiösen Dialog zuständig war, dazu hier nicht. Kann es sich um etwas anderes handeln als um Konfliktscheu? Aus nackter Furcht?