Medienspiegel

Die Linke vor ihrem Parteitag

Die Linke ist die eigentliche Verliererin der Flüchtlingspolitik. Ein großer Teil der Wähler wandert zur AfD ab. Die Verantwortlichen verharren in Schockstarre. Ein Kommentar.

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„Kuscheln wäre der Linken jetzt am liebsten. Die Partei hält am Wochenende in Magdeburg ihren Parteitag ab. Oberstes Gebot: bloß keine Konflikte offen austragen. Sogar ein bisschen langweilig darf es werden, wenn es nach dem Willen führender Linker geht.Dabei wäre genau das Gegenteil notwendig angesichts der prekären Lage, in der sich die Partei befindet. Sie verliert massiv an Zustimmung. Bei den Landtagswahlen im März in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz landete die Linke weit abgeschlagen. Das Projekt Westausdehnung ist gescheitert. Und im Osten bröckelt ihre Machtbasis. Im Linken-Stammland Brandenburg ist die Partei sogar hinter die AfD zurückgefallen, die dort bereits bei 20 Prozent liegt. In Sachsen-Anhalt büßte sie bei den Landtagswahlen fast acht Prozent der Stimmen ein. Das bleibt im Bund nicht ohne Folgen. In Umfragen landete die Linke bereits bei sieben Prozent – Tendenz weiter fallend. Der Einzug in den Bundestag 2017 ist keine sichere Sache mehr.AfD, diese drei Buchstaben versetzen die Linke in Panik. So sehr, dass sie am liebsten gar nicht darüber reden will auf ihrem Parteitag. Einer tut es aber doch: Gregor Gysi. Der ehemalige Fraktionschef nennt seine Partei „saft- und kraftlos“. Recht hat er. Die Linke ist die eigentliche Verliererin der Flüchtlingspolitik. Ein erheblicher Teil ihrer Wähler wandert zur AfD ab. Zu einer Partei also, die für all das steht, was die Linken-Führung bekämpft und verachtet.“ (…)

http://www.tagesspiegel.de/politik/die-linke-vor-ihrem-parteitag-nur-kuscheln-hilft-nicht/13649022.html

Kommentar GB:

Sie denken in den Parteien und ihren Führungen vermutlich, ihre Wähler seien nicht urteilsfähig bzw. wären im Irrtum, im Gegensatz zu ihnen. Aber es verhält sich genau umgekehrt. Das wird verkannt. Das ist der zentrale Irrtum.
Und dann klammern sie sich krampfhaft daran, dass nicht sie sich irren, sondern ihre Wähler.
Daher die Wählerbeschimpfung, oder, ersatzweise, die der selbstverständlich bösen, dämonischen Konkurrenz, die rätselhafterweise Erfolg hat.

Es ist doch ganz einfach.

Wenn Wähler einer Partei bemerken, dass ihre Interessen von dieser Partei nicht nur nicht (mehr) vertreten werden, sondern dass von dieser bisher gewählten Partei entgegengesetzte Interessen vertreten werden, dann wählen sie – völlig rational – diese Partei nicht mehr, oder sie suchen sich eine andere, bei der sie – zu Recht oder zu Unrecht – meinen, vergleichsweise besser vertreten zu sein.

Bei der SPD ist das beobachtbar, bei der LINKEN ebenso, und auch bei der CDU.

Wen kann das wundern?