Medienspiegel

Die Linkspartei stösst an ihre Grenzen

von Markus Ackeret, Berlin, 28.5.2016
„Einstige Wähler der deutschen Linkspartei finden zunehmend Gefallen an der Alternative für Deutschland. Die Rezepte für eine erfolgreiche linke Politik sind in der Partei umstritten.“

„Die alles dominierende politische Frage der vergangenen Monate in Deutschland, der Flüchtlingszustrom und der Umgang der Regierung damit, hat neue Bruchlinien in der Gesellschaft offenbart. Das Vertrauen in die etablierten Parteien nimmt ab und spült Wählerstimmen zur konservativ-nationalpatriotischen Alternative für Deutschland (AfD). Die deutschen Linken nehmen erstaunt und verbittert zur Kenntnis, dass auch sie davon betroffen sind.

«Saft- und kraftlos»

Weder gelang es den Sozialdemokraten als Teil der Koalition in Berlin, aus der Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel politisches Kapital zu schlagen, noch profitierte die offiziell internationalistische, pazifistische Linkspartei von der «Willkommenskultur». Im Gegenteil zeigten gerade die zur traditionellen Klientel beider linker Parteien gehörenden Wähler, wie nah sich die politischen Ränder sind, wenn es um Protest, soziale Konkurrenz und Kultivierung einer Opferhaltung geht. In Sachsen-Anhalt hatten viele der 24 Prozent AfD-Wähler bei der Landtagswahl im März früher die Linkspartei gewählt. Statt den Ministerpräsidenten zu stellen, worauf diese noch vor Jahresfrist hatte hoffen dürfen, ist sie nun hinter der AfD bloss zweitstärkste Oppositionspartei. In Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg schaffte sie den Einzug ins Parlament gar nicht.

Mit der Schwierigkeit, in der Flüchtlingspolitik eine Position zu vertreten, die bei einem grösseren Teil der Wählerschaft schlecht ankommt, kämpfen auch die Unionsparteien und die SPD. Wie bei diesen Parteien entzweit der Streit auch führende Vertreter der Linkspartei.“ (…)

http://www.nzz.ch/international/europa/konkurrenz-von-rechts-die-linkspartei-stoesst-an-ihre-grenzen-ld.85246

mit meinem (GB) dortigem Kommentar:

„Sie denken in den Parteien und ihren Führungen vermutlich, ihre Wähler seien nicht urteilsfähig bzw. wären im Irrtum, im Gegensatz zu ihnen. Aber es verhält sich genau umgekehrt. Das wird verkannt. Das ist der zentrale Irrtum.
Und dann klammern sie sich krampfhaft daran, dass nicht sie sich irren, sondern ihre Wähler.
Daher die Wählerbeschimpfung, oder, ersatzweise, die der selbstverständlich bösen, dämonischen Konkurrenz, die rätselhafterweise Erfolg hat.

Es ist doch ganz einfach.

Wenn Wähler einer Partei bemerken, dass ihre Interessen von dieser Partei nicht nur nicht (mehr) vertreten werden, sondern dass von dieser bisher gewählten Partei entgegengesetzte Interessen vertreten werden, dann wählen sie – völlig rational – diese Partei nicht mehr, oder sie suchen sich eine andere, bei der sie – zu Recht oder zu Unrecht – meinen, vergleichsweise besser vertreten zu sein.

Bei der SPD ist das beobachtbar, bei der LINKEN ebenso, und auch bei der CDU.

Wen kann das wundern?“