Medienspiegel

Enthüllungen rund um Aldo Moro

Veröffentlicht
„Italiens Geheimabkommen mit den Palästinensern“
von Patricia Arnold, Mailand 13.5.2016
„Während in der Schweiz eine Arbeitsgruppe zum Schluss kommt, 1970 sei es nicht zu einem Abkommen mit den Palästinensern gekommen, gilt in Italien ein solcher Pakt inzwischen als gesichert.“

„Am 16. März 1978, einem Donnerstag, wurde der italienische Spitzenpolitiker Aldo Moro in Rom entführt, seine fünf Leibwächter wurden erschossen. 55 Tage hielten Mitglieder der Roten Brigaden den Chef der Regierungspartei Democrazia Cristiana (DC) in Geiselhaft, bevor sie ihn mit acht Schüssen hinrichteten. Die Regierung in Rom war auf die Forderung der Terroristen nicht eingegangen, inhaftierte Gesinnungsgenossen gegen Moro auszutauschen. Ganz Italien war über den Terrorakt und die Ermordung Moros schockiert.

Ein Attentat als Auslöser

38 Jahre sind seither vergangen, und nach wie vor liegen die Hintergründe des Attentats im Dunkeln. Viele Gerüchte und Verschwörungstheorien ranken sich um den Fall Moro. Seit eineinhalb Jahren beschäftigt sich – nicht zum ersten Mal – eine parlamentarische Untersuchungskommission mit dem Mord an Aldo Moro, der mehrfach Italiens Regierungschef und auch Aussenminister des Landes war. Ausgangspunkt für die neuen Untersuchungen ist eine Depesche vom 17. Februar 1978, die aus Beirut an den militärischen Geheimdienst Sismi in Rom gerichtet war. Darin informierte Oberst Stefano Giovannone, damals italienischer Spionagechef in Libanon, seine Vorgesetzten über eine «terroristische Operation von beträchtlicher Tragweite», die europäische Terroristen in Italien planten. Giovannones Informant war ein Vertreter der militanten Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) von George Habash. Einen Monat nach der Warnung wurde Aldo Moro entführt.

Das Telegramm aus Nahost verriet aber noch mehr. Es bestätigte die Existenz eines sogenannten «Lodo Moro», eines informellen Pakts zwischen Italien und den palästinensischen Organisationen PLO und PFLP. Das Übereinkommen, über das in Rom schon lange Gerüchte kursierten, sah vor, dass palästinensische Attentäter keine Terrorakte in Italien verüben würden. Als Gegenleistung konnten sie sich in Italien unbehelligt aufhalten und auch Waffengeschäfte abwickeln.

Dieser Pakt geht offenbar auf Aldo Moro selbst zurück, der von 1969 bis 1974 Italiens Aussenminister war. Auslöser für das Abkommen war ein Bombenanschlag palästinensischer Terroristen auf dem römischen Flughafen Fiumicino im Dezember 1973. Beim Attentat auf eine Boeing 707 der US-Fluggesellschaft Pan Am wurden 34 Menschen getötet. In der Folge ging Italien offenbar auf einflussreiche Vertreter palästinensischer Organisationen zu.“ (…) 

http://www.nzz.ch/international/europa/enthuellungen-rund-um-aldo-moro-italiens-geheimabkommen-mit-den-palaestinensern-ld.82280