Medienspiegel

Germany is our problem

Veröffentlicht

Reinhard Schlieker

„Die Republik verändert sich zum Grünen. Das liegt weniger am Mai, sondern am Zeitgeist. Der weht um uns alle und bringt manches in die Mitte, was – oft völlig zu Recht – früher am Rande der Gesellschaft anzutreffen war. Eine der schlimmsten Entwicklungen in dieser Hinsicht ist der Einzug einer Moral, die von denen, die sie vertreten, als stets überlegen und einzig richtig angesehen wird.

Die stets überlegene Moral, die einzig richtige, die allein korrekt ist: Genau diese Moral hält Einzug in immer mehr Parlamente und Institutionen. Diese Moral kann ob ihrer Absolutheit nur eine sein, in deren Ausübung und Exekution der Politik, den Unternehmen und vor allem jenen, die unter dem Deckmantel der politisch korrekten Denkweise operieren, so ziemlich alles zuzutrauen ist.

Wer wissen will, woher der Wind zuletzt geweht haben muss, möge sich zum Beispiel die Nomenklatura der evangelischen Kirche anzusehen: Wie die ihr Mäntelchen hängt, so muss es richtig sein, denn dort herrscht, historisch gut belegbar, ein untrüglicher Sinn für den Zeitgeist – und wie man sich diesem unterwürfig anpasst. Ob Flüchtlingsdebatte, Steuerpolitik, Außen- und Verteidigungspolitik und selbstredend alles, was mit Arbeit und Sozialem zu tun hat, all das unterliegt dem moralischen Vorbehalt, und was da nicht grün, links, feministisch und fortschrittlich, außerdem mitfühlend und vorsorgend daherkommt, fällt durch die Prüfung, abgenommen von Leuten mit Binnen-i und Unterstrichen.

Und es geht noch weiter mit der Moralkeule. Dass man ein gutes Gewissen haben kann, wenn man bei Randale und Wut auf der Straße gegen möglichst viele Vorschriften des Strafgesetzbuches verstößt, solange man nur jedem Kritiker (und das sind wenige) entgegenschleudern kann, autonom und antifaschistisch zu sein, ist mittlerweile fast gängiger Konsens. Alle anderen stehen unter schnellem Nazi-Verdacht, insbesondere wenn sie frei nach Henryk Broder zaghaft darauf hinweisen, dass es im Deutschland des Jahres 2016 keines Todesmutes bedarf, gegen den Faschismus zu kämpfen: Je länger die Nazizeit zurückliegt, desto kühner und zahlreicher werden die Antifaschisten, denen als Feindbild dann schon ein harmloser Berliner Ferienwohnungsvermieter dienen muss.“ (…)

http://www.theeuropean.de/reinhard-schlieker/10963-gruene-arroganz

Kommnetar GB:

Bei genauerem Hinsehen merkt man schnell, dass die völlige Unfähigkeit, den engen emotionalen Standpunkt der Gesinnungsethik moralphilosophisch zu überwinden, indem – was allerdings anspruchsvoll ist – Realitäten, moralische Pflichten und mutmaßliche Folgen mit in den Blick genommen werden, einem normativen, subjektiven Totalitarismus geschuldet ist, der wie wohl nichts sonst die grüne Mentalität charakterisiert, die ökogrüne blaß, die islamgrüne dunkel.

Die Selbstgerechtigkeit dieser grünen Mentalität schlägt derzeit alles, sie ist schlicht atemberaubend.

Und die moralisch Hochmütigen bemerken es nicht. Aber: Hochmut kommt vor dem Fall.