Medienspiegel

In der Tradition der Aufklärung

Veröffentlicht

Von Dr. Alexander Ulfig

„Was deutsche Linke von zwei arabischstämmigen Intellektuellen lernen könnten.

Der Publizist Hamed Abdel-Samad spricht mit dem Filmemacher Imad Karim über Islam, Religionskritik, Aufklärung, Demokratie, Integration, Flüchtlingskrise usw. Sie zeigen eindrucksvoll, was kritisches Denken und gelebte Aufklärung, was Vernunft, Offenheit und Toleranz bedeuten.

Hier geht es zu dem auf Video festgehaltenen Gespräch.

Deutsche Linke könnten viel von Hamed Abdel-Samad und Imad Karim lernen, obgleich „lernen“ hier das falsche Wort ist. Durch die Reflexionen der beiden Intellektuellen könnten sie sich – wenn sie nur offen und kritisch wären – auf ihre religionskritischen und atheistischen Wurzeln besinnen, auf Wurzeln, die in der Philosophie der Aufklärung liegen. Denn links sein bedeutete einst religionskritisch und atheistisch sein.“

Nach Karl Marx, der sich – wenigstens in der Frühphase seines Schaffens – in der Tradition der Aufklärung sah, sollte jegliche Gesellschaftskritik mit Religionskritik beginnen. Die Linken haben den modernen Atheismus erfunden und sich kämpferisch für seine Ausbreitung eingesetzt.

Und was ist heute davon geblieben? Warum äußern Linke heutzutage keine Religionskritik? Insbesondere gegenüber dem Islam, der gegenwärtig die aggressivste und expansivste Religion darstellt? Dafür gibt es meines Erachtens vier Gründe:“ (…)

http://www.freiewelt.net/blog/in-der-tradition-der-aufklaerung-10067022/

Kommentar GB:

Zitat Ulfig: „Die Postmoderne, der postmoderne Relativismus, hat die Linke zersetzt. Der Humanismus, nach dem der Mensch mit seinen Bedürfnissen im Mittelpunkt des Interesses steht, wurde aufgegeben, an das aufklärerische Ideal der Emanzipation des Individuums glauben Linke auch nicht mehr, die Universalität der Menschenrechte wurde zugunsten der Partikularität von Sonderrechten aufgegeben, das aufklärerische Ideal einer radikalen Kritik aller Verhältnisse wurde von den Linken offensichtlich vergessen. In diesem Zusammenhang wurde auf eine umfassende Religionskritik verzichtet.

So ist es. Und aus genau diesen hier angegebenen Gründen ist die heutige Linke (im weiten Sinne) intellektuell regrediert, und somit ist sie nicht mehr in der Lage, die Realität auf der Höhe der Zeit analytisch zu durchdringen und in konzeptionell begründete vorwärts treibende politische Handlungsstrategien zu übersetzen. Sie verweist angesichts der eigenen intellektuellen Unfähigkeit lieber auf die üblichen Verdächtigen, anstatt sich einer überfälligen Selbstkritik zuzuwenden: denn diese ginge an die Substanz.