Interview mit Boualem Sansal: „Der Islam wird unsere Gesellschaft aufsprengen“

„Die Mehrheit der Deutschen ist der Meinung, der Islam gehöre nicht zu Deutschland – 61 Prozent vertreten laut einer aktuellen Umfrage diese Position. Nur 22 Prozent sind anderer Meinung.“

„Droht Europa die Islamisierung? In seinem Roman „2084. Das Ende der Welt“ erzählt der Algerier Boualem Sansal von einer muslimischen Glaubensdiktatur. Eine spezielle Warnung hat er für Deutschland.“

„Welt am Sonntag: Monsieur Sansal, Ihr Buch ist sehr düster. Bei Orwell gibt es wenigstens eine Liebesgeschichte.

Boualem Sansal: Ich wollte auch etwas Aufmunterndes. Aber in dieser Welt des Islamismus wäre die Liebe unglaubwürdig gewesen. Orwell mag ein atheistischer Kommunist gewesen sein, sein Vorstellungsvermögen war christlich geprägt. Im Christentum strukturiert die Liebe das Leben.

Welt am Sonntag: Sie strukturiert nicht nur das Leben, sondern auch die Religion selbst.

Sansal: Die Idee der Erlösung durch Liebe ist allgegenwärtig im christlichen Universum. Im islamischen gibt es nur die Mutterliebe, die Liebe zu Gott. In der Liebe verstecken sich die Frauen. Die Frau selbst spielt keine Rolle. Die Liebe ist ja gerade das, was der Islam bekämpft.

Welt am Sonntag: Obwohl Ihr Buch keine vergnügliche Lektüre ist, hat es sich allein in Frankreich über 300.000-mal verkauft. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?

Sansal: Die Menschen wachen auf. Sie machen sich klar, dass die Islamisierung kein lokales Phänomen ist, sondern ganz Europa betrifft. Wir haben alle Angst – auch wenn es nicht alle zugeben wollen.

Welt am Sonntag: Was war es für eine Erfahrung, ein so düsteres Buch zu schreiben?

Sansal: Weder schmerzhaft noch lustvoll. Ich bin Wissenschaftler und betrachte die Dinge wie ein Verhaltensforscher. Hin und wieder kann mich etwas bewegen, aber dann bringe ich mich zur Vernunft. Man muss den Dingen ins Gesicht sehen, ohne sich etwas vorzumachen.“ (…)

Welt am Sonntag: Es gibt in Frankreich rechtspopulistische Intellektuelle, die die Theorie vom „grand remplacement“ vertreten, der Verdrängung der abendländisch-christlichen Zivilisation durch den Islam. Im Grunde sagen Sie dasselbe. Worin besteht der Unterschied?

Sansal: Ich finde den Ausdruck unglücklich. Es geht ja nicht darum, die Bevölkerung zu ersetzen, sondern um eine Art Fusion: Frankreich ist dabei, sich zu islamisieren.“ (…)

„Welt am Sonntag: Wir haben eine Million vorwiegend muslimische Flüchtlinge aufgenommen. Wie ist Ihre Prognose für Deutschland?

Sansal: Deutschland war komplett naiv. Und langfristig ist Deutschland das Land, das am meisten bedroht ist.

Welt am Sonntag: Inwiefern naiv?

Sansal: Weil sich Deutschland lange Zeit eingebildet hat, von den Problemen nicht betroffen zu sein. Der Islam, der war in Frankreich, in Großbritannien, aber bei uns doch nicht! Und dann ist Deutschland aufgrund der Kriegserfahrung eine extrem tolerante Gesellschaft. Das wird ausgenutzt. Als die algerischen Islamisten verjagt wurden, haben sie in Deutschland Unterschlupf gefunden, da wurden sie als politische Flüchtlinge anerkannt.“ (…)

„Welt am Sonntag: In der Türkei erleben wir mit Erdogan gerade die Islamisierung der Gesellschaft. Wie sehen Sie die Entwicklung?

Sansal: Die Rückkehr des Religiösen, vor allem bei den jungen Leuten, kontaminiert die ganze Gesellschaft – und das wird bald auch in Deutschland zu spüren sein.“ (…)

„Welt am Sonntag: Wenn man das zu Ende denkt, hieße das ja: Wir würden unter Erdogans Kalifat in Deutschland leben. Das klingt vollkommen absurd. Ist Europa dermaßen am Ende?

Sansal: Ja. Es hat keinerlei Zukunft mehr.

Welt am Sonntag: Können Sie in Europa noch sagen, was Sie denken?

Sansal: Nein. Das ist vorbei. Auf der einen Seite lädt man mich ein, weil man das Bedürfnis hat, auch andere Meinungen zu hören, die nicht politisch korrekt sind. Gleichzeitig hat man Angst, dass ich Ärger mache.

Welt am Sonntag: Was dürfen Sie nicht sagen?

Sansal: Das sagt Ihnen keiner, das ist viel subtiler. Aber alles, was den Islam kritisiert, macht Probleme. Als ob man heute alles kritisieren darf, sogar Gott, aber nicht den Islam.

Welt am Sonntag: Sind Sie islamophob, Monsieur Sansal?

Sansal: Nicht in dem Sinne, wie das Wort gebraucht wird. Ich mag den Islam nicht, ich glaube nicht daran, und ich stelle fest, dass er nicht nur eine Gefahr, sondern eine enorme Gefahr ist. Er wird unsere Gesellschaft aufsprengen.“ (…)

http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article155752745/Der-Islam-wird-unsere-Gesellschaft-aufsprengen.html

und hier ergänzend zur Frage, weshalb die deutsche Politik eben nicht nüchtern, realistisch, humanitär und interessenbezogen, sondern flüchtlingsidealistisch erfolgt:

http://www.zeit.de/2016/21/fluechtlingskrise-asyldebatte-deutsche-geschichte-moral