Italien: Gesetz über schwule und lesbische Partnerschaften

von Patricia Arnold, Mailand 11.5.2016

„Nach erbitterten Debatten hat das italienische Parlament ein Gesetz über schwule und lesbische Partnerschaften verabschiedet.“ (…)

„Streit um Adoptionsrecht

Vor Gericht, im Spital, beim Finanzamt und auch bei den Pensionskassen haben Schwule und Lesben nun die gleichen Rechte wie heterosexuelle Partner. Allerdings haben sie auch in Zukunft kein Adoptionsrecht. Ein Sprecher der Homosexuellen-Organisation Arcigay sprach deshalb von einem «noch immer halbleeren Glas».

Es zeugt davon, dass um kein anderes Gesetz im katholisch geprägten Italien in den vergangenen Jahren so heftig gestritten worden ist wie um die Homo-Ehe. Erste politische Vorstösse liegen fast drei Jahrzehnte zurück. Über zwölf Monate dauerte allein die Auseinandersetzung um den Gesetzesentwurf im Parlament. An dem von der Senatorin Monica Cirinnà und der sozialdemokratischen Regierungspartei Partito Democratico (PD) vorgelegten Entwurf wurden während der Debatte Dutzende von Änderungen vorgenommen. Die Einschränkungen kritisierten Befürworter der vollständigen Gleichberechtigung als «Homo-Light».

Vor allem das Adoptionsrecht war umstritten. Ursprünglich war vorgesehen, dass Schwule und Lesben Kinder aus vorangegangenen Beziehungen adoptieren können. An diesem Vorschlag wäre die Regierungskoalition beinahe zerbrochen. Gegen die Stiefkind-Adoptionen war nicht nur der kleine konservative Regierungspartner Neue Rechte Mitte (NCD) von Innenminister Angelino Alfano, auch katholische PD-Abgeordnete stemmten sich dagegen, Homo-Paaren dieses Recht zuzubilligen. Die katholischen Bischöfe sprachen von einem «besorgniserregenden kulturellen Wandel». Bei einem Familientag, zu dem ein Komitee namens «Wir verteidigen unsere Kinder» aufgerufen hatte, demonstrierten im Januar Tausende von Italienern gegen das Gesetz. Die Regierung gab schliesslich nach und strich das Adoptionsrecht aus der Gesetzesvorlage.“  (…)

http://www.nzz.ch/homo-partnerschaften-in-italien-renzi-gewinnt-vertrauensvotum-im-parlament-ld.81973