Medienspiegel

„Man darf Gesellschaften nicht überfordern“

Von Oscar Lafontaine

Spätestens vor zwei Jahren hätte man eine innereuropäische Lösung finden müssen, um die Schengen-Regel in eine andere, europäische Regel zu transformieren. Dies ist versäumt worden. (…)

Fazit:

(…) „Und was die Fluchtursache betrifft: Der derzeitige Kapitalismus tötet, hat Papst Franziskus formuliert. Dieses Wirtschaftssystem, in welchem wir 80 Prozent der Ressourcen verbrauchen und bald 1 Prozent der Bevölkerung so viel Vermögen wie 99 Prozent der Menschen hat, ist in der Zukunft nicht mehr tragfähig und verrückt. Wir müssen nach Wegen suchen, eine gerechtere Verteilung in der Welt hervorzubringen. Dazu gehören: Wir müssen den perversen Freihandel abschaffen, denn das ist kein Freihandel, sondern ein Kolonialhandel. Und wir müssen die Agrarsubventionen stoppen, mit denen die EU und die USA jeden Bauern ruinieren. Und wir müssen aufhören, die Meere leer zu fischen. Denn so dürfen wir uns doch nicht wundern, wenn diese keine Arbeit haben, weil wir eine freie Marktwirtschaft nach falschem Verständnis betreiben. Hier müssen wir anfangen.“

http://www.theeuropean.de/oskar-lafontaine/10958-der-derzeitige-kapitalismus-toetet

Kommentar GB:

Dass die historisch gewordene „kapitalistische Produktionsweise“ Licht- und Schattenseiten aufweist, und dass sie widersprüchlich und in mancherlei Hinsicht problematisch und kritikbedürftig ist, das gehört spätestens seit Karl Marx zu den allgemein bekannten Selbstverständlichkeiten der europäischen Aufklärung. Aber diese Kritik und Selbstkritik ist unvollständig, weil sie, beispielsweise, den Islam und die islamische Welt analytisch nicht einschließt: eine Leerstelle.

Entgegen dem Augenschein und den Realitäten wird der massive, gewaltsame und weltweite asymmetrische Konflikt zwischen dem „derzeitigen Kapitalismus“ und dem islamfaschistischen Djihad analytisch ausgeblendet, oder er wird auf rein sicherheitstechnisch-instrumentelle Fragen reduziert, ohne grundsätzliche Fragen und Perspektiven einzubeziehen. 

Aber die Frage danach,  >> was der Islam ist  << , sie wird nicht nur nicht gestellt, sie wird verweigert und verleugnet, obwohl es hierzu genug einschlägige Literatur gibt, aber  diese wird anscheinend ignoriert.

Das heutige globale System kann unmöglich zutreffend analysiert werden, ohne diese Probleme aufzugreifen, und zwar auf der Höhe der Erkenntnisse hierzu. Und daher sind die sogenannten linken Analysen hierzu sämtlich defizitär und unbrauchbar, selbst wenn Teilaspekte zutreffend erkannt werden, und dies letztlich wohl aufgrund eines unbewußten kollektiven masochistischen Schuldgefühls, das einen nüchternen Blick auf die widersprüchlichen Realitäten systematisch verzerrt, ohne dass die Betroffenen das überhaupt bemerken. Von außen gesehen ist das völlig offensichtlich.

Die Linke i. w. S. muß sich allererst von diesem kollektiven masochistischen Schuldgefühl emanzipieren. Denn analytische Irrtümer führen zu Fehlurteilen und diese zu Fehlhandeln, und danach konsequenterweise zum Scheitern.

Wer scheitert, der sollte allererst seine eigenen Urteile und seine eigenes Handeln auf Irrtümer und Fehler untersuchen, anstatt auf andere zu weisen, die angeblich dafür verantwortlich seien.

Ohne diese Emanzipation vom Masochismus ist für die Linke i. w. S. eine nüchterne und realitätsbezogene Analyse der weltpolitischen Lage auf der Höhe der Zeit unmöglich, und damit auch ein der Problemlage angemessenes politisches Handeln.

Und solange wird sie keinerlei Erfolgschance haben. Nirgendwo.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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