Nicht wir, die Flüchtlinge müssen sich anpassen

26.02.16  /  Von

„Dabei sein ist alles“, hört man häufig. Von wegen! Im Schützengraben von Verdun gelegen zu haben, war gar nicht alles. Und wie sieht es in der Flüchtlingsfrage aus? Schaurig. Nur unsere Werte zählen.http://www.welt.de/debatte/henryk-m-broder/article152685126/Nicht-wir-die-Fluechtlinge-muessen-sich-anpassen.html

http://www.welt.de/debatte/henryk-m-broder/article152256557/Wo-bleibt-die-islamische-Solidaritaet-fuer-Fluechtlinge.html

Kommentar GB:

Im rheinischen Karneval beginnen die Büttenreden mit der Begrüßung „Liebe Närrinen und Narren ..“ und die dann folgende Rede ist dann mehr oder weniger spaßig, aber keineswegs an Leute gerichtet, die jemals  NärrInnen gewesen wären; ganz im Gegenteil. Karneval ist eine ernste Sache.

Heutzutage, im Rückblick auf die letzten 18 Monate, wäre dieser Beginn von Büttenreden treffend gewählt für Reden vor Flüchtlingsidealisten, also vor Leuten, die sich ganz und gar nicht als NärrInnen erleben, sondern die ernstlich meinen, sie und nur sie seien die guten Menschen. Und die deshalb die spaßige Anrede ganz unspaßig als den bitteren Ernst auffaßten, den sie wirklich bezeichnet.

In einem zweiten Artikel merkt Broder an:

“ (…) „Die „Märtyrer“, die demnächst in Kopenhagen gewürdigt werden, sind Mörder, genauer: Massenmörder, die Besonderes vollbracht haben. „In die Twin Towers zu fliegen, auf Menschen im Bataclan zu schießen oder sich in Brüssel selbst in die Luft zu sprengen, macht man nur im Glauben an eine bessere Welt“, sagt eine an dem „Märtyrerprojekt“ beteiligte dänische Künstlerin.

Opfer müssen sein, sonst wird nichts besser?

Das ist ohne Zweifel richtig. Der Glaube an eine bessere Welt ist gleich nach dem Sexualtrieb die zweitstärkste Antriebskraft, die dem Menschen in die Wiege gelegt wurde. Man muss es sogar denjenigen, die sowjetische Gulags und deutsche Konzentrationslager betrieben haben, zugute halten, dass sie es im Glauben an eine bessere Welt taten.

Der heute beliebte Satz: „Wir haben uns die Erde von unseren Kindern nur geliehen“, ist Ausdruck derselben Selbstverpflichtung. Opfer müssen sein, sonst wird es nichts mit einer besseren Welt.

Wer allerdings keinen Drang zum Märtyrertum in sich verspürt, wer nur seine eigene Zukunft verbessern und, sagen wir, aus einem Mehrfamilienhaus an einer belebten Kreuzung in ein Reihenhaus mit Garten umziehen möchte, der fragt sich, warum Menschen, die ihr Leben für „eine bessere Welt“ aufzugeben bereit sind, nicht allein in den Tod gehen, sondern viele andere mitnehmen müssen, die lieber in dieser unvollkommenen Welt bleiben würden.“ (…)

http://www.welt.de/kultur/article155091427/Der-Massenmoerder-Maertyrer-fuer-eine-bessere-Welt.html