Medienspiegel

Streit um Katholikentag: Die Kirche ordnet sich der Parteipolitik unter

Veröffentlicht
Von Klaus-Rüdiger Mai
„Heute beginnt der 100. Katholikentag in Leipzig. Doch unliebsame Themen wie die prekäre Lage christlicher Flüchtlinge in deutschen Unterkünften werden dort ausgeblendet. Auch mit der AfD will man nicht sprechen.“
„Der CDU-Politiker und Präsident des Zentralkomitees der Katholiken, Thomas Sternberg, hat in einem Interview die Flüchtlingskrise als zentrales Thema des gerade in Leipzig stattfindenden Katholikentages benannt. Dabei erweckte er den Eindruck, dass in seinen Augen scheinbar nur Muslime als Flüchtlinge zu gelten haben. Die teils katastrophale Situation von nichtmuslimischen Minderheiten in den Flüchtlingsheimen, von Christen und Jesiden, die laut einer Studie des christlichen Hilfswerks „Open Doors“ wegen ihres Glaubens geschlagen, beleidigt oder bedroht werden, sind für den Präsidenten hingegen kein Thema. Denn, so Sternberg: „Man muss sich davor hüten, es als typisch islamisch darzustellen, wenn Christen in mehrheitlich von Muslimen bewohnten Flüchtlingsheimen bedrängt werden.“ (…)

„Die Realität passt nicht zur Doktrin

Muslime stellen nicht nur die Mehrheit in den Heimen, sie dürfen zugleich auf Unterstützung des Wachpersonals rechnen, das „häufig aus unqualifizierten, strenggläubigen Muslimen besteht“, wie Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte, anmerkt. Sternbergs Logik unterstellt den Opfern, dass sie sich die Verbrechen, die an ihnen begangen wurden, nur ausgedacht hätten. Sprache ist verräterisch und die technokratische Formulierung des Chefs der Laienorganisation der deutschen Katholiken schließt von vornherein jegliche Empathie mit den verfolgten Christen und Jesiden aus. Die Realität scheint nicht in die Flüchtlingsdoktrin der EKD, der deutschen Bischofskonferenz und des ZdK zu passen.

Wenn Christen in mehrheitlich von Muslimen bewohnten Flüchtlingsheimen bedrängt werden, stellt sich die Frage, inwiefern das etwas mit der Religion zu tun hat. Christen, die in Afrika und im Nahen Osten bedroht und vertrieben wurden und denen die Flucht zu uns gelang, geraten in einen Teufelskreis, wenn sie hier wieder von Muslimen drangsaliert werden. Würde man dieses Problem nicht vertuschen und ignorieren, ergäben sich zwei schwerwiegende Konsequenzen daraus: Erstens müsste die alternativlose Flüchtlingsdoktrin auf den Prüfstand gestellt und zweitens müsste gehandelt werden.

Der Schein soll aufrecht erhalten bleiben

Wenn das Zusammenleben von Muslimen mit Christen und Jesiden im Flüchtlingsheim nicht gelingt, weil Muslime als einziggültige Richtschnur ihres Handelns den Islam – und wahrscheinlich noch in einer rigiden Auslegung – anerkennen, dann steht zu befürchten, dass es außerhalb des Heims auch nicht funktionieren wird. Dass sich trotz der 94 Milliarden Euro, die die Bundesregierung für die Integration von überwiegend Muslimen ausgeben will, starke Parallelgesellschaften bilden werden und die Integration misslingt.

Dieses Problem wird verdrängt. Lieber lassen Christen Christen leiden, nehmen es billigend in Kauf, dass sie gedemütigt, geschlagen, vergewaltig werden, als sich der Realität zu stellen. Denn „wenn wir nach Religion getrennt unterbrächten, leisteten wir dem Eindruck Vorschub, wir seien nicht fähig zur friedlichen Koexistenz“.

Zynischer und auch unchristlicher geht es nimmer, denn wichtiger, als Menschen zu helfen, ist es, einen Schein aufrecht zu erhalten. CDU-Mann Steinberg ordnet das Christentum der Politik unter. Ein Phänomen, das bisher nur beim Linksprotestantismus des Rates der EKD zu beobachten war, hat nun auch dank des Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, den Katholizismus erreicht: Die parteipolitische Instrumentalisierung des Glaubens durch Kirchenfunktionäre, die die Ideologie über die Religion stellen. Indem sie sich in den Dienst des Staates stellen und so in die Zeit vor Martin Luther zurückfallen, unterlaufen sie de facto die Trennung von Staat und Kirche.“ (…)

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