Medienspiegel

Über AfD-Wähler im Bekanntenkreis

Veröffentlicht

Harald Martenstein    /     5. April 2016

„Ich sitze in einem Hotelzimmer. Wir hatten eine Familienfeier, ich habe Jägerschnitzel mit Pommes gegessen. Bei der Feier hat mir eine Person aus der Familie gestanden, dass sie AfD gewählt hat. An sich sind wir immer alle für die SPD gewesen, seit August Bebel. Ich darf auf keinen Fall Andeutungen darüber machen, wer es ist. Die Person befürchtet Nachteile. Inzwischen kenne ich drei AfD-Wähler, vielleicht sind es mehr, aber drei haben sich mir anvertraut. Ich darf nicht mal schreiben, welches Gender und welchen Beruf sie haben. Es sei gefährlich, sich zu outen. Die Medien und das Internet würden so tun, als sei man ein Nazi, obwohl man vielleicht sein ganzes Leben lang SPD gewählt hat, mehr kann man gegen den Faschismus doch wirklich nicht tun. Aber ich flöße den Menschen irgendwie Vertrauen ein, wie es scheint.

Ich erzähle, wie diese Leute ticken, okay? Alle drei sind, das mal zuerst, keine Sachsen und garantiert keine Rechtsradikalen. Und sie sind auch nicht blöd. Die Nazis wollen die Gesellschaft verändern. Diese Menschen wollen das genaue Gegenteil, sie wollen, dass es im Großen und Ganzen so bleibt, wie es ist. Sie sagen, dass sie nichts gegen Zuwanderung haben, aber in Maßen, kontrolliert. Sie wollen Deutschland, wieder: im Großen und Ganzen, so, wie es ist, und nicht ein völlig anderes Deutschland.“ (…)

http://www.zeit.de/zeit-magazin/2016/13/harald-martenstein-afd-rechtsextremismus-konservative