Über Nazi-Schäferhunde und andere Lügengeschichten

Harald Martenstein   /    22. März 2016

„Als die DDR unterging, wurden auch 4.000 Wachhunde arbeitslos. Meistens waren es Schäferhunde, die an der Grenze Streife gelaufen waren. Viele DDR-Bürger lehnten diese Hunde ab, vielleicht aus emotionalen Gründen. Im Westen dagegen war die Nachfrage groß. Der Tierschutzbund vermittelte die meisten DDR-Grenzhunde an neue Besitzer in Westdeutschland.

Ich erzähle das, weil die Doktorandin Christiane Schulte am Center for Metropolitan Studies in Berlin einen wissenschaftlichen Vortrag gehalten hat, mit dem Titel Der deutsch-deutsche Schäferhund. Darin enthüllte die junge Historikerin, dass zahlreiche Grenzhunde der DDR von den KZ-Wachhunden der Nazis abstammten. Nach 1990 seien einige dieser Hunde und ihre Nachfahren dann an der EU-Außengrenze eingesetzt worden und seien dort durch besonders aggressives Auftreten gegen Flüchtlinge aufgefallen. Klarer Fall, Osthunde sind Killer, Westhunde sind eher lieb. Schulte sieht die Osthunde allerdings als manipulierte Opfer der von Gewalt geprägten deutschen Geschichte. An der Mauer seien auch 34 Schäferhunde gestorben, der erste Mauertote überhaupt sei ein Hund namens Rex gewesen. Deshalb fordert sie, in das geplante Einheitsdenkmal eine symbolische stählerne Hundeleine zu integrieren.“ (…)

http://www.zeit.de/zeit-magazin/2016/11/hunde-schaeferhunde-ddr-grenze-westdeutschland-wissenschaft-luege