Zeitgemäßes Sorgerecht

Wenn Paare sich scheiden lassen, gibt es in Fragen des Sorgerechts häufig eine klare Rollenverteilung – meistens zum Nachteil „moderner Väter“. Ein Blick nach Skandinavien könnte helfen.

14.05.2016, von Mona Jaeger

(…) „Ein Blick über die Grenzen hinaus zeigt, wie es anders gehen kann. In Skandinavien ist nicht das Residenzmodell die Regel, sondern das sogenannte Wechselmodell. Dabei haben Kinder nicht mehr nur einen Lebensmittelpunkt, sondern zwei. Die Väter verbringen 30, 40 oder 50 Prozent der Zeit nach der Trennung mit ihren Kindern, was entsprechend beim Unterhalt angerechnet wird. Wichtige Entscheidungen, etwa zur Schulwahl, treffen die Eltern gemeinsam, wie sie es beim gemeinsamen Sorgerecht sowieso tun. Das Wechselmodell dient dabei nicht als Unterhalts-Sparmodell, denn oft müssen die Väter in eine größere Wohnung ziehen oder mehr Spielzeug kaufen, wenn ihre Kinder mehr Zeit bei ihnen verbringen. In Skandinavien, auch in den Vereinigten Staaten, verordnen die Gerichte das Wechselmodell den Eltern sogar in einigen Fällen, weil es dem Wohl des Kindes am meisten entspreche.

Eltern in Deutschland so etwas vorzuschreiben scheint undenkbar. Väter-Verbände setzen sich aber dafür ein, dass das Wechselmodell im Unterhalts- und Sorgerecht zumindest eine Variante von mehreren wird.“ (…)

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