AfD: Neoliberaler Wolf im Schafspelz

Von SEBASTIAN RANGE, 16. März 2016 –

„Aus den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ist die Alternative für Deutschland mit zweistelligen Ergebnissen als große Siegerin hervor gegangen. Von einer „historischen Zäsur“ ist die Rede, das Schlagwort „Rechtsruck“ macht die Runde.

Mit ihrem konsequentem „Nein“ zur Aufnahme von Flüchtlingen verfügt die AfD über ein Alleinstellungsmerkmal, aus dem sie erfolgreich politisches Kapital schlagen konnte.

Dabei bleibt weitgehend unbeachtet, dass die junge Partei in einem Dilemma steckt: Ihre wirtschafts- und sozialpolitischen Forderungen könnten einen Großteil ihrer Wählerschaft verprellen. Die Linke will diesen Widerspruch offensiv angehen, ist sich aber uneins in der Frage der praktischen Umsetzung.“

„Was bei der Analyse des AfD-Wahlerfolgs heraussticht, ist der starke Zuspruch von Arbeitern und Arbeitslosen. (1) In Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg konnte keine andere Partei der AfD in diesen Wählergruppen auch nur annähernd das Wasser reichen. Nur in Rheinland-Pfalz war es der SPD gelungen, die AfD bei den Arbeitslosen und Arbeitern auf den zweiten Platz zu verweisen.

Eine Erklärung für den Erfolg der AfD bei diesen Wählern liegt auf der Hand: Sie befürchten, mit den Flüchtlingen um Arbeitsplätze und günstigen Wohnraum konkurrieren zu müssen.

Die AfD als Interessenvertreter der sogenannten kleinen Leute? Zumindest die Wahlergebnisse zeichnen dieses Bild. Die Programminhalte der AfD sprechen allerdings eine ganz andere Sprache. Keine der in die Landtage gewählten Parteien vertritt so vehement die Interessen der Kapitaleigentümer, keine andere Partei wendet sich so massiv gegen die Interessen der Arbeiter und Arbeitslosen, die paradoxerweise das stärkste Wählerklientel bilden. (…)

(…) „Ihre neoliberale Ausrichtung ist die offene Flanke der AfD. Dass sie im öffentlichen Diskurs kaum an ihrer verwundbarsten Stelle angegriffen wird, ist leicht erklärt: Die anderen Parteien verfolgen ebenfalls eine wirtschaftsliberale Politik – mit Ausnahme der Linken.“ (…)

http://www.hintergrund.de/201603163879/politik/inland/afd-neoliberaler-wolf-im-schafspelz.html

Kommentar GB:

Es ist dies m. E. ein bemerkenswerter, differenzierter, weitgehend auch sachlicher und nüchterner Text, wie man ihn leider nur noch selten zu lesen bekommt, und zwar einerlei, ob man nun jedes Argument teilt oder auch nicht.

Gäbe es auf demselben Reflexionsniveau eine selbstkritische Analyse von LINKEN, Grünen und SPD und CDU, dann wäre zumindest intellektuell etwas erreicht, denn nichts schadet diesen Parteien mehr als ihre unglaubliche Blindheit gegenüber sich selbst.

Diese Blindheit ist ihr größter Gegner überhaupt, nicht etwa die AfD; denn sie repräsentiert größtenteils lediglich die – eigentlich leicht erkennbaren – Fehler dieser Parteien in einer ins Positive gewendeten Form. Siehe hierzu:

https://www.alternativefuer.de/wp-content/uploads/sites/7/2016/06/2016-06-09_afd-grundsatzprogramm-stuttgart_web-version.pdf

Was diese Parteien selbstkritisch, also unter Verzicht auf ihre durchsichtigen Projektionen und ihre medialen Diffamierungstaktiken endlich zu begreifen hätten, wenn sie denn, was leider zweifelhaft ist, intellektuell dazu noch imstande sein sollten, das wäre dies:

Die AfD ist genau so groß, wie es Eure politischen Fehler sind: Eure Fehler = AfD!

Nicht die AfD ist daher das Problem, sondern die Fehler von LINKEN, Grünen und SPD und CDU!

Oder:

Wer nicht hören will muß fühlen! (Sprichwort)