Arbeitsmarkt: Warum sich Migranten in Österreich schwertun

András Szigetvari   –   7. Juni 2016

„Die Krise traf Migranten stärker als Inländer.

Viele Ausländer stehen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung.

Aber woran liegt das?“

(….) „Eine am Montag veröffentlichte Publikation der EU-Statistikbehörde Eurostat veranschaulicht, dass in ganz Europa unter der Wirtschaftsflaute Migranten am meisten leiden. So ist die Arbeitslosenquote europaweit unter Ausländern mehr als doppelt so hoch als unter EU-Bürgern. Erwerbsquoten von Migranten Eurostat präsentiert auch einen interessanten Vergleich der Erwerbsquoten von Migranten. Diese Zahl ist ein Gradmesser dafür, wie gut die Integration am Arbeitsmarkt gelingt. In die Erwerbsquote werden sowohl Menschen eingerechnet, die einen Job haben, als auch jene, die eine Arbeit suchen. Erfasst werden also alle 20- bis 64-Jährigen, die dem Arbeitsmarkt aktiv zur Verfügung stehen und nach einer wirtschaftlich produktiven Tätigkeit streben.

Nun zeigt sich, dass die Erwerbsquote unter Migranten in vielen Ländern deutlich unter den Werten für Inländer liegt (siehe Grafik).

Österreich schneidet im Vergleich auf den ersten Blick sogar besonders schlecht ab. Unter Inländern beträgt die Erwerbsquote 80 Prozent, bei Migranten aus einem Drittland 66 Prozent. In beiden Fällen ist die Erwerbstätigkeit also der Regelfall, was aber sind die Ursachen für diese große Divergenz?

Einen Einfluss auf die Statistik hat, ob Frauen das Interesse und die Möglichkeit zu arbeiten haben. Die größte Gruppe der Nicht-EU-Bürger in Österreich bilden die Türken noch vor den Serben und Bosniern. 115.000 türkische Staatsbürger leben laut Statistik Austria dauerhaft in Österreich.

Sei es kulturell oder traditionell bedingt, der Anteil der Türkinnen, die einer bezahlten Arbeit nachgehen, ist gering. Während die Erwerbsquote der türkischen Männer bei 66 Prozent liegt, beträgt sie unter türkischen Frauen nur 36,2 Prozent.

Die Geburtenrate unter Türkinnen ist laut Demografen höher als unter Österreicherinnern. Die zusätzlich benötigte Zeit für Kinderbetreuung dürfte sich in der Statistik ebenfalls widerspiegeln.“ (…)

http://derstandard.at/2000038338047/Arbeitsmarkt-Warum-sich-Migranten-in-Oesterreich-schwer-tun