Medienspiegel

Bilderberg-Konferenz

Was geschieht in Dresden?

Sascha Pommrenke 10.06.2016

„Während rechte Verschwörungstheoretiker das Bilderberg-Treffen in Dresden zu einem Treffen der geheimen Weltregierung oder zumindest der Global Player der NWO kolportieren, bemühen sich „Experten“ und Medien darum, das Treffen in seiner Bedeutung herunterzuspielen. Beides trübt den Blick auf ein im Wesen demokratiefeindliches Treffen selbsternannter westlicher Eliten.

Die Bundesregierung verlautbart, dass auf der Bilderberg-Konferenz „ein informeller Gedankenaustausch über aktuelle politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Themen“ stattfindet. „Austausch und Dialog, insbesondere in internationalen Formaten, sind der Bundesregierung grundsätzlich wichtig, auch ohne dass hierbei konkrete Ergebnisse erzielt werden müssen.“ Offensichtlich gibt es nicht einmal ein Problembewusstsein innerhalb der politischen Klasse, die demokratietheoretisch als Stellvertreter des Souveräns rechenschaftspflichtig wäre, sich aber faktisch als Politelite versteht und von den Untertanen Gehorsam oder zumindest uneingeschränktes Vertrauen erwartet.“ (…)

http://www.heise.de/tp/artikel/48/48486/1.html

Kommentar GB:

Vor dem Hintergrund des weiteren historischen Aufstiegs Chinas und der verbliebenen relativen Autonomie Rußlands im Weltsystem besteht m. E. in den herrschenden Kreisen der USA Sorge um den Erhalt ihrer Weltmachtstellung.

Zu vermuten ist daher, dass es um die US-Geopolitik (u. a. mit Blick auf die Ölressourcen, auf Rußland und ganz besonders auf China) gehen wird. Washington muß ein Interesse daran haben, global untergeordnete Regionen politisch einzubinden und für die eigenen geopolitischen Ziele zu nutzen, in ökonomischer Hinsicht z. B. durch TTIP und CETA u. ä. Projekte im pazifischen Raum.

Die Bilderberg – Konferenzen sind m. E. als ein informeller politischer Kommunikations- und Abstimmungsprozeß auf höchster Ebene einzuschätzen, mit dem relevante Mitglieder der verschiedenen Eliten in das Machtfeld der US-Geopolitik integriert werden, so daß diese trotz bestehender gegenläufiger Interessen, z. B. solchen an guten wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu Rußland, durchgesetzt werden können. Kanzler Schröder z. B. hatte sich anscheinend darum bemüht, unter Kanzlerin Merkel folgt Europa ohne eigene politische Führung in Osteuropa der Geopolitik der USA, die an einer Spaltung zwischen der EU und Rußland interessiert ist.

In der Ukraine-Krise drückt sich dieser Sachverhalt aus.

Die politische Alternative wäre: eine Verständigung mit Rußland, Respektierung russischer Interessen, vor allem, aber nicht nur in Osteuropa, Zurückhaltung der NATO in Europa, erweiterte Entwicklung der ökonomischen Beziehungen zu Rußland und darüber hinaus zu China, kurz: der eurasische Bogen, von Paris über Berlin und Moskau bis Beijing.

Das stünde aber im Widerspruch zum US-Ziel des Erhalts ihrer Weltmachtstellung (und es stünde außerdem im Widerspruch zu den Absatzinteressen der Golfstaaten), die hierdurch tendenziell erodieren würde, auch wäre es mit den politischen Interessen Osteuropas schwer verträglich. Deshalb tut Washington alles, um solche Risiken bereits im Zeitpunkt ihres Entstehens zu entschärfen (und zugleich die Interessen der Golfstaaten zu wahren), auch wenn dadurch an sich vermeidbare Spannungen erst erzeugt oder bestehende verschärft werden, siehe die Ukraine-Politik der USA (und der EU), siehe insbesondere die NATO-Politik in Osteuropa.

Literatur:

Wolfgang Bittner: Die Eroberung Europas durch die USA, VAT Verlag. o. O. 2014

und:

http://www.zeit.de/2016/25/sanktionen-russland-verlaengerung-spd

Zur Struktur der amerikanischen Elite die Arbeiten von Hans-Jürgen Krysmanski:

http://www.uni-muenster.de/PeaCon/krysmanski/