Medienspiegel

Denken ist gefährlich, Political Correctness auch

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Lisz Hirn

„Sagen, oder lieber nicht sagen? Das ist hier die Frage. Political Correctness ist das Gebot der Stunde. Die Angst, etwas falsch zu sagen, haben nicht nur Politiker. Auch in den Geistes- und Kulturwissenschaften treibt sie ihr Unwesen. Und macht vor niemanden Halt. Warum schweigen nicht Gold ist.“ (…)

(…) „Political correctness ist dort gefährlich, wo sie angewendet wird, um Kritik unmöglich zu machen. Diskussion muss in funktionierenden demokratischen Systemen möglich sein, auch wenn sie manchmal wehtut. Dies soll jedoch nicht als Freibrief für Beschimpfungen oder aggressive Äußerung von Frustrationen (vgl. Shitstorms) verstanden werden. Ganz im Gegenteil. Kritik soll konstruktiv und logisch nachvollziehbar geäußert werden. Empathie zeigen heißt nicht, alles gutzuheißen, aber andere Meinungen und Urteile verstehen zu wollen. „Wobei niemand schärfer urteilt als der Ungebildete, denn der kennt weder Gründe noch Gegengründe und glaubt sich immer im Recht“ (Feuerbach). Es braucht die Bereitschaft des Einzelnen, seine eigene Meinung und Vorurteile unbedingt zu hinterfragen. Nur dann kann politische Korrektheit auf lange Sicht erfolgreich sein, weil sie dann nicht nur eine oberflächliche, sprachpolitische Maßnahme bleibt. Nietzsche meinte, dass Faulheit und Feigheit die Ursachen sind, dass die meisten Menschen zeitlebens unmündig blieben und sich wenige andere zu ihren Vormünder aufwerfen würden. Das ist wohl wahr, denn zu schweigen ist bequem. Die Frage ist aber nicht, was wir gewinnen, wenn wir schweigen, sondern vielmehr, was wir damit verlieren.“

http://www.theeuropean.de/lisz-hirn/11055-ist-schweigen-gold