Medienspiegel

Der Islam gehört nicht zu Deutschland

Mina Ahadi

Die Menschenrechtsaktivistin wurde 1956 in Abhar (Iran) geboren und studierte Medizin an der Universität Tabriz. Sie war aktiv in der linken Opposition gegen den Schah und die Islamisten, die sie in Abwesenheit zum Tode verurteilten. Sie kämpfte jahrelang im Untergrund gegen das Mullah-Regime. In Europa gründete sie das Internationale Komitee gegen Steinigung und das Komitee gegen Todesstrafe. 2007 wurde sie zur 1. Vorsitzenden des Zentralrats der Ex-Muslime gewählt. Seitdem steht Mina Ahadi unter Polizeischutz.

Die Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime Mina Ahadi, die in einem offenen Brief die Einladung der AfD abgelehnt hat, spricht über den Islam in Deutschland, die AfD und das Versagen der Linken. (…)

„Petra Adick: Wie erklären Sie sich den Zulauf, den die AfD genießt?

Mina Ahadi: Nicht nur die AfD hat einen starken Zulauf, sondern auch Le Pen in Frankreich und die ÖFP in Österreich. Ich denke, der Grund ist, dass wir in einem kapitalistischen und politischen System leben, in dem vieles sehr schlecht funktioniert. Ja, Deutschland geht es wirtschaftlich besser, aber gucken Sie sich die Situation vieler Menschen hier an. Die etablierten Parteien versuchen immer wieder diese Unruhen, die es in der Bevölkerung gibt, zu beschwichtigen. Doch das System ist immer noch das gleiche und es funktioniert nicht. Es bringt nur einigen wenigen Menschen einen großen Nutzen und die Leute sehen das natürlich.

Es gibt so viele Probleme hier: Arbeitslosigkeit, niedrige Löhne, Sozialleistungen, die Renten. Menschen in Deutschland sind wütend darüber, dass nach 40 Jahren Arbeit viele Rentner jetzt in den Mülleimern nach Leergut suchen müssen. Über die letzten Jahre ist das noch schlimmer geworden. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer. Die Kommunikation der etablierten Parteien mit den Bürgern ist kaputt. Die Parteien brauchen keine Rechenschaft über ihre Politik abzulegen. Die machen was sie wollen und hören überhaupt nicht auf das, was die Menschen zu sagen haben, obwohl sie ja eigentlich deren Repräsentanten sein sollen. Das ist lachhaft, aber in diesem System können sie das tun.

Die Medien spielen dabei eine große Rolle. Gucken Sie sich nur an wie die über das Treffen zwischen der AfD und dem ZdM berichtet haben. Das war nicht neutral. Mehrere wichtige Medien haben sich durch die Art und Weise ihrer Berichterstattung auf Mazyeks Seite gestellt. Das ist eine Tendenz, die man hier beobachten kann, denn ich als Islamkritikerin finde nur sehr wenig Gehör in den Medien. In Deutschland wird eine “Verharmlosungspolitik” betrieben. Menschen werden zu Fernsehdebatten eingeladen, die dazu dienen, den Status quo der Regierung aufrechtzuerhalten. Die etablierten Parteien reden nicht über die Dinge, die den Menschen auf den Nägeln brennen, aber die AfD redet darüber. Alle vier Jahre dürfen wir zum Wahllokal gehen und unsere Stimme abgeben und dann machen die Parteien eh, was sie wollen. Das läuft schon seit Langem so und ist einer der Gründe, warum mehr und mehr Menschen zur Pegida oder Parteien wie der AfD übergehen.“ (…)

„Petra Adick: Islamkritik, Islamophobie, Rassismus wie hängt das zusammen?

Mina Ahadi: Dass die AfD so viel Einfluss gewonnen hat im Bezug auf den Islam und den politischen Islam ist auch die Schuld der linken Parteien und links orientierten Organisationen. Ich habe vor einiger Zeit einen offenen Brief an Sarah Wagenknecht geschrieben, in dem es genau um dieses Thema geht.

Wenn die Hauptsorge der linken Parteien der Antiimperialismus ist und sie den politischen Islam oder die islamische Bewegung als Gegner der Imperialisten begrüßt, dann sind sie Teil des Problems. Ich habe noch nie einen kritischen Satz von den Linken in Deutschland gegen den politischen Islam und die Islamisten gehört. Über diese unmenschliche Bewegung wird offiziell nicht gesprochen oder es wird verharmlost. Doch die Menschen kriegen jeden Tag mit, wie sich diese politische Bewegung versucht hier durchzusetzen. Und wenn die Politiker und die Medien darüber schweigen, dann gehen diese Menschen zur AfD.

Ich kritisiere die Multikultis, die Steinigungen oder Kopftuchzwang als Kultur definiert und somit verharmlost haben. Islamkritik wird als Islamophobie definiert und ist somit in den Augen der Linken ein Zeichen von Rassismus. Man kann das sehr gut an meiner Lebensgeschichte sehen. Ich bin eine Frau, die aus einem Land fliehen musste, in dem der politische Islam vor fast 40 Jahren die Macht ergriffen hat. Menschen, die so wie ich gegen Hinrichtungen, Steinigungen, gegen den politischen Islam und für Frauenrechte kämpfen, wir werden von den Medien und den linken Parteien ignoriert. Oder was noch schlimmer ist, wir werden als Islamophoben bezeichnet und als Hasser dargestellt. Die Probleme, über die wir reden, werden bagatellisiert. Das sind ernsthafte Probleme von Millionen von Menschen in islamisierten Ländern und jetzt ist es leider auch zu einem Problem in der europäischen Gesellschaft geworden. Wir reden von Terror, einer politischen Bewegung, die frauen- und menschenfeindlich ist, die gegen eine säkulare Gesellschaft ist. Doch diese Themen werden hier ignoriert. Wir werden angegriffen, weil wir darüber reden.“ (…)

http://www.theeuropean.de/mina-ahadi/11049-interview-mit-mina-ahadi