Medienspiegel

Jugendüberschuss – Chance oder terroristische Bedrohung?

Von KAI EHLERS

„1,8 Milliarden junge Menschen. Potenzial für die Gestaltung der Zukunft.“ So lautet der Titel des Weltbevölkerungsberichts 2014 (1). Nie zuvor habe es so viele junge Menschen gegeben wie heute, heißt es weiter. Wohl nie wieder werde das Potenzial für wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt so groß sein wie jetzt. Unsere gemeinsame Zukunft werde davon abhängen, wie wir die Bedürfnisse und Erwartungen dieser jungen Menschen heute erfüllen.“ (…)

„Diesem hoffnungsgetragenen Posaunenstoß folgen nüchterne Fakten, die es zu bewältigen gilt: „In manchen Ländern sind mehr als ein Drittel der Einwohner junge Menschen. Die heutige Generation der 10- bis 24-Jährigen zählt knapp 1,8 Milliarden – bei einer Weltbevölkerung von 7,3 Milliarden Menschen. (…) In einigen Ländern wächst die jugendliche Bevölkerung schneller als die Wirtschaft. (…) In den 48 ärmsten Ländern der Welt stellen Kinder (unter 18 Jahren) oder Heranwachsende (von 10 bis 19 Jahren) die größte Bevölkerungsgruppe. In Afghanistan, Ost-Timor und 15 Ländern in Afrika südlich der Sahara ist sogar die Hälfte der Bevölkerung jünger als 18 Jahre. (…) 89 Prozent aller Zehn- bis 24-Jährigen leben in Entwicklungsländern. (…) Bei den jüngsten in dieser Altersgruppe ist der Prozentsatz sogar noch höher. In den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt (eine Kategorie der Vereinten Nationen, die 33 Länder in Afrika südlich der Sahara, acht in Asien, sechs in Ozeanien und außerdem Haiti und die Karibik umfasst, Anm. Red.) macht diese Altersgruppe 32 Prozent der Bevölkerung aus. In den Industrieländern beträgt ihr Anteil 17 Prozent. (…) Am stärksten wächst die absolute Zahl junger Menschen in den am wenigsten entwickelten Ländern, und hier ist in absehbarer Zukunft keine Wende in Sicht.“ (…)

„Weniger freundlich formuliert heißt das: Die Heranwachsenden treffen auf eine Realität, in der die Mehrheit von ihnen keinen oder einen schlechten Arbeitsplatz findet und keinerlei oder eingeschränkte politische Rechte hat. Jahr um Jahr erhöht sich jedoch die Zahl derer, die einen Platz in dieser Welt suchen, um 78 Millionen Menschen.(2)“ (…)

„Die Auswirkung des politischen Erwachens“

„So ist das Problem des Jugendüberschusses denn auch nicht nur Gegenstand von Statistiken, sondern beschäftigt ebenso Strategen, allen voran solche der herrschenden Hegemonialmacht und unter ihnen, wie sollte es anders sein, den US-Frontmann Zbigniew Brzezinski. In seinem neuesten Entwurf mit dem Titel Strategic Vision. America and the Crisis of Global Power geht er der Frage nach, wie ein „receding west“ und ein „waning of the american dream“, also ein schwächelnder Westen und ein dahinschwindender Amerikanischer Traum, ihre Hegemonie halten könnten. Und da finden sich an prominenter Stelle – gleich im ersten Kapitel unter dem Zwischentitel „The Impact of Global Political Awakening“ – die Erörterungen zu der Frage, wie die USA, allgemeiner der Westen, mit dieser nicht zu absorbierenden Jugendkraft umzugehen gedenken. Er bringt, wie nicht anders zu erwarten, den Jugendüberschuss – im Rückgriff auf zurückliegende CIA-Analysen von ihm als „Youth Bulge“ (wörtlich: Jugendausstülpung – das Bild bezieht sich auf die demografische Alterspyramide) vorgestellt – in direkte Verbindung mit den antikolonialen politischen Protestpotenzialen „früher passiver und unterdrückter“ Gesellschaften, die heute ihren Platz in der Welt suchen.“ (…)

„Nach einem Bericht der ‚Population Action International‘“(4), so Brzezinski wörtlich, „waren ‚Jouth Bulges‘ in achtzig Prozent der Konflikte zwischen 1970 und 1999 beteiligt. Es ist außerdem bemerkenswert, dass der Mittlere Osten und die weitere muslimische Welt einen überdurchschnittlichen Anteil vom Jugendlichen haben. Der Irak, Afghanistan, die Palästinensischen Gebiete, Saudi-Arabien und Pakistan haben alle massive Jugendüberschüsse, die von ihren Ökonomien nicht absorbiert werden können, und die anfällig sind für Unzufriedenheit und Militanz. Es ist diese Region vom östlichen Ägypten bis zum Westen Chinas, die das wachsende politische Erwachen, das größte Potential für gewaltsamen Aufruhr hat. Es ist in der Tat ein demografisches Pulverfass. Ähnlich gefährliche demographische Realitäten gibt es in afrikanischen Ländern wie Kongo und Nigeria sowie in einigen lateinamerikanischen Ländern.“ (…) (Hervorhebungen GB)

http://www.hintergrund.de/201505133539/politik/welt/jugendueberschuss-chance-oder-terroristische-bedrohung.html

Kommentar GB:

Dies ist die demographische Seite des Problems, die Petrodollars sind seine finanzielle Seite, und der Islam ist seine ideologische Seite. Diese Kombination ist bedrohlich, macht aber unter Berücksichtigung der nahöstlichen Kriege und Bürgerkriege verständlich, weshalb der Islam global expandiert. 

Was in Europa gebraucht wird, das ist allererst Problembewußtsein. Daran mangelt es eklatant.