„Nein heißt nein“ oder die Abschaffung der Unschuldsvermutung

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht Christoph NEBGEN:

„Am Amtsgericht Berlin wird derzeit der aktuell wohl skurrilste Strafprozess überhaupt verhandelt. Vor dem Gebäude findet gleichzeitig eine Demonstration für die „Verschärfung des Sexualstrafrechts“ statt; dort skandieren überwiegend weibliche Demonstrantinnen „Nein heißt nein“. Zeit-Online bericht live von Prozess und Demonstration.

Mit dem Hashtag #neinheißtnein versucht ein selbsternanntes #teamginalisa über Twitter aktiv aber ohne nennenswerte Rechtskenntnisse, die „Verschärfung“ des Sexualstrafrechts in ihrem Sinne voranzutreiben. Zu der Thematik hat sich der Vorsitzende Richter des Zweiten Strafsenats am Bundesgerichtshof, Thomas Fischer, in seiner Kolumne bereits sehr ausführlich geäußert; wer es gerne sehr ausführlich hat, der lese dort. Dieser Beitrag ist mehr für die Freunde der Kurzform.

Denkt man über die Phrase „Nein heißt nein“ etwas nach, muss man sich wundern. Wörtlich genommen haben wir es nämlich mit einer Tautologie zu tun – einem Satz ohne jede eigene Aussage. Ein Apfel ist ein Apfel. Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter, oder es bleibt wie es ist. Nein heißt nein.

Das spricht dafür, dass der Slogan für seine Nutzer eine über den bloßen Wortsinn hinausgehende Bedeutung zu haben scheint. Aber welche? Und warum wird sie uns nicht mitgeteilt?

Um der eigentlichen Bedeutung dieses einfachen Hauptsatzes näher zu kommen, hilft uns zunächst ein Blick auf die Situation, auf die er sich bezieht: Gemeint ist offenbar das „Nein“ der Frau („Opfer“) zu dem vom Mann („Täter“) beabsichtigten Geschlechtsverkehr. Das ist nun aber gesetzlich seit langem recht eindeutig und abschließend geregelt: Wenn die Frau („Opfer“) nicht will, darf der Mann („Täter“) nicht. Das ist klar und unzweideutig. Da kann man auch nichts mehr verschärfen.

Das Problem ist regelmäßig ein anderes: Woher weiß man hinterher, wer wollte und wer nicht?  Wem ist zu glauben, wenn sie sagt, sie habe nicht gewollt, er aber nichts davon gewusst haben will? Das ist eine reine Beweisfrage. Die Rechtsprechung nennt diese Situation (streng genommen nicht ganz zutreffend) Aussage-gegen-Aussage-Situation, und man muss in dieser Situation noch genauer als sowieso schon prüfen, wem von beiden (Frau („Opfer“) oder Mann („Täter“)) Glauben zu schenken ist.

Was hilft da ein „Nein“ und von welcher Bedeutung ist, dass es „nein“ heißt? Ist doch die Frage zumeist gar nicht dessen Bedeutung, sondern ob das „nein“ gesagt wurde oder nicht. Dies ist die bedeutungsvollste und häufig auch einzige Beweisfrage und der eingangs zitierte Slogan hilft uns bei ihrer Beantwortung kein Stück weiter.

Das weckt im unbefangenen Betrachter den Verdacht, dass es den Damen, die da lauthals skandieren, gar nicht um die Bedeutung des Wortes „nein“ geht – sondern um direkte Einflussnahme auf die Beantwortung der Frage, ob das Wort „nein“ gefallen ist oder nicht. Nur die ist nämlich relevant.

Die Beantwortung dieser Beweisfrage hätten die schreienden Damen gerne in ihre Hände gelegt zur Beantwortung in ihrem Sinne: Die Beschuldigung durch eine Frau („Opfer“) hat von der Justiz ungeprüft übernommen zu werden. Liest man die zahlreichen Kommentare im Internet, bestätigt sich dieser Verdacht: Es geht gar nicht um das „nein“; es geht darum, dass einer Frau, die behauptet, „nein“ gesagt zu haben, kritiklos geglaubt zu werden habe.

Damit möchte #teamginalisa aktiv in die Beweiswürdigung der Gerichte eingreifen und ein verfassungsmäßig gewährleistetes Recht abschaffen: Die Unschuldsvermutung. Zumindest für Männer. Zumindest, wenn eine Frau das will. Bei Gina Lisa selbst hat die Unschuldsvermutung hingegen selbstverständlich zu greifen, gerne auch etwas doller.

Das ist ein frontaler Angriff auf den demokratischen Rechtsstaat, und wer mitskandiert, macht sich zum Büttel von Demagogen/innen.“  – Quelle:

http://www.jurablogs.com/go/nein-heisst-nein-oder-die-abschaffung-der-unschuldsvermutung/3?utm_source=JB+TOP+NL&utm_medium=email

und ein ähnlicher – wichtiger – Beitrag von Prof. Monika Frommel:

(…) „Die „Schutzlücken-Kampagne“ der Frauennotrufe und anderer Frauennetzwerke (z.B. Deutscher Juristinnenbund und Frauen gegen Gewalt gegen Frauen) läuft bereits seit einigen Jahren. Sie begann 2010, wurde im Sommer 2014 unüberhörbar und tönt 2016 überlaut auf allen Kanälen. Sie spielte mit falschen Zahlen und unzulässig verallgemeinerten Einzelfällen. Behauptet wurde, dass nur 12 Prozent der angezeigten Sexualdelikte auch zu einer Verurteilung führten. Tatsächlich sind die Verurteilungsquoten bei sexueller Nötigung und Körperverletzung etwa gleich (22 bis 26 Prozent über die letzten zwanzig Jahre unverändert). 2 (…)

(…) „Feminismus mutiert zum Maternalismus, einer staatlich finanzierten und ihrem Anspruch nach umfassenden Regulierung des sexuellen Verhaltens. Die eingangs genannten Frauennetzwerke verlangen nicht nur eine intensive, sondern auch eine extensive Kontrolle des sexuellen Verhaltens (der Männer) mit Freiheit entziehenden Mitteln des Strafrechts. Das ist ihr Ziel, denn nur dann ergibt die Forderung nach mehr und härterem Strafrecht Sinn. Der Emanzipation dient diese Forderung nicht.“

https://www.novo-argumente.com/artikel/nein_heisst_nein_und_der_fall_lohfink

Kommentar GB:

Feminimus ist ein gesellschaftliches Übel.