Medienspiegel

Petry erklärt Willkommenskultur mit Schuldkomplex

„Die Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen interpretiert AfD-Chefin Frauke Petry als Ausdruck deutscher Identitätsprobleme. Zum Machtkampf in ihrer Partei will sie sich derweil nicht äußern.

Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry sieht in der wachsenden Zahl muslimischer Zuwanderer eine Bedrohung für Europa. Die Parteichefin sagte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa, die europäische Asylpolitik sei Ausdruck einer „sehr, sehr großen Offenheit, die aber dazu führt, dass der Westen nun von Gesellschaftsmodellen bedroht wird, auch über die verstärkte islamische Einwanderung, mit dem ganz klaren Ziel, das orientalische Wertebild auch in Europa leben zu lassen“.

Ihre Partei habe den Islam nicht als neues Feindbild ausgewählt, sagte Petry, „sondern ich glaube, dass die AfD als erste Partei in Deutschland klar formuliert hat, dass der Islam die westlichen Gesellschaften als Feindbild hat“.

Die deutsche „Willkommenskultur“ gegenüber Flüchtlingen interpretierte Petry als Folge von Schuld- und Minderwertigkeitskomplexen. „Ich glaube, dass die Willkommenskultur der Ausdruck eines tiefer gehenden Problems mit der eigenen Identität ist“, erklärte die AfD-Vorsitzende.

Viele deutsche Politiker seien der Meinung, „dass die beste Sühne für das, was Deutschland an Verbrechen in der Vergangenheit begangen hat, darin liegt, die eigene Kultur ja nicht zu überhöhen, sondern eher zu relativieren“. Das wäre aus ihrer Sicht noch verständlich, wenn man mit anderen Kulturen „auf Augenhöhe“ agieren würde. Faktisch werde die eigene Kultur aber „der fremden Kultur“ untergeordnet.“

http://www.welt.de/politik/deutschland/article156393146/Petry-erklaert-Willkommenskultur-mit-Schuldkomplex.html

Kommentar GB:

Die deutsche Überwertigkeits-Macke der NS-Ära ist in die (anti-)deutsche Unterwertigkeits-Macke der GRÜNEN-Ära umgeschlagen: es sind dies vermutlich zwei Seiten derselben Medaille. Beide Seiten sind m. E. gleichermaßen Anzeichen einer vernunftwidrigen kollektiven Störung.

Der aktuelle Bewußtseinsdefekt zeigt sich hierzulande brennpunktartig in der Ausblendung der Frage der Interessen, die sonst in der bürgerlichen Gesellschaft der Moderne immer gestellt wird. Sicherlich ist Empathie von zentraler Bedeutung für humanes Handeln, aber Empathie kann nicht quasi-zwangsweise eingefordert werden, und sie muß mit kritisch-rationalen Überlegungen zur Sache konfrontiert und vermittelt werden. Das ist durchaus möglich, und es ergeben sich dann bestenfalls ebenso vernünftige wie hilfreiche Kompromisse.

Die Frage ist, weshalb es offenbar den Deutschen so schwer fällt, ein nicht-romantisches, nüchternes, sachliches, angemessenes und pragmatisches Verhältnis zur natürlichen und sozialen Realität zu entwickeln, unter Verzicht auf Verleugnungen, aber mit den nötigen Kenntnissen und aktuellen Analysen der gesellschaftlichen und politischen Wirklichkeit.

Ein solcher Realismus nämlich ist zugleich die Basis einer angemessenen Form von gelebter Humanität.