Medienspiegel

Über rhetorische Ausweichmanöver

Harald Martenstein

ZEITmagazin Nr. 24/2016 21. Juni 2016

„Kürzlich wurde mir im Netz „Whataboutismus“ vorgeworfen. Ich hatte keine Ahnung, was das ist, obwohl es nur zwei Monate vorher in einem Leitartikel der ZEIT erklärt worden war.

Beim Whataboutismus handelt es sich um einen kommunikativen Trick. Besonders beliebt war diese Sache in der Sowjetunion, heute wird es gerne von den Anhängern des Präsidenten Putin gemacht. Wenn man ihnen die Besetzung der Krim vorwirft, antworten sie zum Beispiel: „Und was ist mit Guantánamo?“ Auf Englisch: „What about Guantánamo?“ Dieses Straflager ist ebenfalls eine höchst fragwürdige Angelegenheit, nur halt eine im Machtbereich der USA.

Man antwortet auf einen Vorwurf einfach mit einem Gegenvorwurf, wobei dieser Gegenvorwurf sachlich richtig ist, nur erfüllt er hier den einzigen Zweck, dem Gegner durch Themenwechsel den Mund zu stopfen und von eigenen Verfehlungen abzulenken.“ (…)

http://www.zeit.de/zeit-magazin/2016/24/harald-martenstein-oskar-lafontaine-vorwurf-whataboutismus

Kommentar GB:

Es handelt sich bei dieser Form der öffentlichen Pseudokommunikation, wie sie in talk shows, also in den öffentlich-rechtlichen Quasselrunden, weder um Dialoge noch um Diskurse, sondern um weiter nichts als um rhetorische wrestling-Kämpfe, um Schlammschlachten also:

„Wrestling (engl. Ringen, im deutschen Sprachraum auch Catchen in Anlehnung an den älteren Begriff Catch Wrestling), ist eine besonders in Japan, den USA und Mexiko populäre SchaukampfSportart. Der Sieger steht schon vor dem Match fest, die Abläufe werden teilweise improvisiert und mit Showelementen und Storylines angereichert. Trotz des Showcharakters kommt es bei den Akteuren immer wieder zu Verletzungen.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Wrestling