Medienspiegel

Zerstrittene Union: Wie Hund und Katz

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Am Zerwürfnis der Unionsparteien sind nicht nur die unterschiedlichen Politikstile und Temperamente von Merkel und Seehofer schuld. CDU und CSU entzweit ein wiederaufgelebter strategischer Dissens. Ein Kommentar.

04.06.2016, von Berthold Kohler

(…) „Die CSU ging nur widerwillig den Weg mit, den die Merkel-Anhänger in der CDU Modernisierung nennen, die CSU und das kleine Häuflein der verbliebenen Konservativen in der CDU dagegen Linksverschiebung. Schon wegen der familien- und gesellschaftspolitischen Vergrünung stellten sich der CSU die Haare auf. Denn in Bayern halten sich die traditionellen Vorstellungen von Ehe und Familie länger als in den Stadtgesellschaften der nördlicheren Bundesländer.

Ganz vorbei aber war es mit der Bereitschaft, der bis dahin für ordentliche Prozentzahlen sorgenden Kanzlerin zu folgen, als die Flüchtlingswelle über Bayern rollte. Mit ihrer ursprünglichen Linie, die Massenmigration als eine Art Naturgewalt darzustellen, die im Zeitalter der Globalisierung allenfalls zu kanalisieren, aber nicht wirklich aufzuhalten sei, brachte die Kanzlerin überall in Deutschland Leute gegen sich und ihre Politik auf.“ (…)

„Zum anderen befürchtet die CSU nicht zu Unrecht, dass die Wanderung der Kanzlerin nach links hin zu den Grünen führen könnte, da von der SPD nach der zweimaligen Umarmung durch Merkel nicht mehr viel übrig ist. Grün lässt die CSU aber erst recht rotsehen. Die konditionierte Distanzierung der CDU-Vorsitzenden vom Ersten Gesetz der Parteienlehre nach Strauß, es dürfe rechts von der Union keine demokratisch legitimierte Kraft entstehen, wurde in der CSU als Sakrileg und – nach der Flüchtlingspolitik – als weiterer Beweis für die Aufgabe konservativen Terrains zugunsten des schon lange betriebenen Linksschwenks gesehen.“ (…)

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/zerstrittene-union-wie-hund-und-katz-14268457.html

Kommentar GB:

Ein wichtiger Artikel zu der derzeit entscheidenden politischen Verwerfungslinie.

Wird sich Schwarz-Grün, nach dem Grün-Schwarz in Baden-Württemberg, als bundespolitisches Regierungsbündnis herausbilden?

Oder wird sich ein Mitte-Rechts-Bündnis – ohne Grüne, SPD, LINKE – entwickeln und durchsetzen?

Die CSU muß springen. Ihr ist eine historische Rolle zugewachsen.

Immerhin: Seehofer ist zuzutrauen, dass er sich in seiner Führungsrolle bewähren wird.