Medienspiegel

Abschied von der Linken

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„Links sein ist nicht mehr das, was es einmal war. Das zeigt nicht nur die Konzept- und Hilflosigkeit der europäischen Sozialdemokratien. Auch die linken Ideale der Jugend verwässern.“

„Im Campus Magazin der Zeit ist am 22. Juni ein bemerkenswertes Interview mit dem Politikwissenschaftler Wolfgang Merkel erschienen (hier). Es ist deshalb so interessant, weil es eine kurzweilige, aber dennoch messerscharfe Analyse einer Transformation liefert.

Und Merkel, selbst parteiloses Vollmitglied der Grundwertekommission der SPD, kennt sich aus mit Transformationstheorien. Eine handelt davon, was große Teile der jungen, studentischen Generation heute unter dem Label „Links“ versteht, dem sich eine Mehrheit dieses Milieus immerhin zugehörig fühlt. Und das ist sowohl denkwürdig als auch erhellend.

Denkwürdig ist es, weil man Zeuge eines Zeitgeistes wird, in dem das Label den Inhalt ersetzt ‒ oder aber der Inhalt bis zur Unkenntlichkeit verwässert wurde. „Links“ ist in diesem Kontext etwa so wie „Bio“ oder „Grün“: Was darauf steht, muss noch lange nicht drinstecken. Vielmehr ist es beliebig, dialektisch begrenzt, im Habitus entgrenzt, Hauptsache politisch korrekt und im Trend. Es ist soft, zahm, aber ohne erzählerische, empirische oder intellektuelle Wucht. Es ist ein Offenbarungseid. Und es ist der Abschied von einer Denkrichtung, die ein Jahrhundert der Garant für sozialen Fortschritt und damit gesellschaftlicher Prosperität war.“ (…)

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