Medienspiegel

Wie viel Islam steckt im Terror?

Der Psychologe Ahmad Mansour erklärt im Interview, warum die Politik bislang kein Konzept für den Kampf gegen die Radikalisierung von Jugendlichen hat – und welche Schuld die Islamverbände trifft.

Das Interview führte Anna Sauerbrey.

(…) Deutschland ist bislang von größeren Anschlägen verschont geblieben. Liegt das nicht tatsächlich auch daran, dass die Integration hierzulande insgesamt besser funktioniert als in Frankreich?

In Frankreich gibt es insgesamt eine größere Gruppe von Islamisten als in Deutschland. Aber dass es hier bislang keine vergleichbar großen Anschläge gegeben hat, ist ein absoluter Glücksfall. Die Strukturen sind da. Die Unterstützer sind da. Die Frage ist nicht, ob hier Anschläge passieren, sondern wann und wie. Und auch hierzulande verläuft die Radikalisierung nicht völlig losgelöst von Entwicklungen in der muslimischen Community. Sie fängt auch nicht erst bei der Begegnung mit den Islamisten an. Sie fängt mit Eltern an, die die europäische Lebensweise und die Freiheit als unmoralisch verteufeln. „Europäischer Islam“ – das ist in konservativen muslimischen Kreisen in Deutschland ein Schimpfwort. Wir können nicht sagen: Das hat nichts mit unserer Religion zu tun, wenn manche muslimische Verbände und Organisationen täglich diese Feinbilder pflegen.

Nach jedem Anschlag verurteilen muslimische Verbände die Gewalt – auch jetzt, nach den Anschlägen von Nizza.

Ja, aber sie sagen auch: Das hat nichts mit der Religion zu tun. So hat sich etwa der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mayzek, nach den Terroranschlägen von Brüssel geäußert. Das ist unverschämt – die Opfer und die Ursachen der Gewalt interessieren sie nicht! Sie wollen ihre Religion beschützen. Aber eine Religion, die beschützt werden muss, ist eine schwache Religion.“ (…)

https://causa.tagesspiegel.de/wir-koennen-den-terror-nicht-ohne-die-religion-erklaeren.html