Medienspiegel

Wie wird der Kapitalismus enden?

Von Wolfgang Streeck
(…) „Alles in allem befindet sich der Kapitalismus – als Gesellschaftsordnung, die von einem Versprechen unbeschränkten kollektiven Fortschritts zusammengehalten wird – in einem kritischen Zustand. Wachstum weicht säkularer Stagnation; soweit es noch wirtschaftlichen Fortschritt gibt, kommt er einer immer geringer werdenden Anzahl von Personen und Familien zugute; und das Vertrauen in die kapitalistische Weltwirtschaft balanciert auf einem Kartenhaus von Versprechungen, deren Einlösung immer unwahrscheinlicher wird.
Seit den 1970er Jahren hat das kapitalistische Zentrum drei aufeinanderfolgende Krisen – Inflation, öffentliche Verschuldung und Privatverschuldung – durchgemacht. In der ungewissen Übergangsphase dieser Tage hängt sein Überleben davon ab, dass die Zentralbanken es unbegrenzt mit synthetischer Liquidität versorgen. Stück für Stück zerbricht die Zwangsheirat, die den Kapitalismus seit 1945 mit der Demokratie verband.
An den drei Fronten der Kommodifizierung – Arbeitskraft, Natur und Geld – sind regulative Institutionen, die den Fortschritt des Kapitalismus zu seinem eigenen Besten gezügelt haben, kollabiert, und nach dem Endsieg des Kapitalismus über seine Feinde ist keine politische Kraft in Sicht, die sie wiederherstellen könnte. Das kapitalistische System leidet unter mindestens fünf sich verschlimmernden Funktionsstörungen, gegen die es bislang kein wirksames Mittel gibt: nachlassendes Wachstum, Oligarchie, Aushungerung der öffentlichen Sphäre, Korruption und internationale Anarchie.
Was in Anbetracht der jüngsten Geschichte des Kapitalismus zu erwarten steht, ist eine lange und schmerzhafte Periode kumulativen Verfalls: sich verschärfende Friktionen, zunehmende Fragilität und Ungewissheit sowie eine laufende Abfolge „normaler Unfälle“ – nicht zwangsläufig, aber durchaus möglicherweise von der Größenordnung der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre.“

Teil 1
Teil 2
Kommentar GB:
Man muß diese immanant kritische Analyse von Streeck mit der geopolitischen, kritisch- orientalistischen Analyse der seit ca. 1970 laufenden Islamisierung Europas (etc.) zusammendenken, um zu sehen, wie groß die Gefahr eines islamischen Totalitarimus perspektisch tatsächlich ist.
Das ist das Bild der kommenden Barbarei.
Und es ist gerade nicht das Bild einer postkapitalistischen freiheitlichen Gesellschaft, jenseits von Richistan (Hans-Jürgen Krysmanski), in der das Vernünftige wirklich, und in der das Wirkliche vernünftig ist (Hegel).