Medienspiegel

„Alle Religionen sollen aus dem System verschwinden“

Veröffentlicht

19. August 2016   

„In der Burka-Verbotsdebatte geht es nicht wirklich um die Vollverschleierung. Es geht um das Verhältnis von Religion und Staat. Deswegen habe ich mit Mina Ahadi gesprochen. Sie setzt sich für eine sehr strikte Trennung ein.

Gibt es eine Debatte, die noch vergeblicher ist als jene über das komplette Burka-Verbot? Schließlich wusste schon Frank Henkel, Spitzenkandidat der Berliner CDU, als er es gefordert hat: Wird nicht passieren. Ist nicht verfassungsgemäß. Dennoch gehen politische Gegner und Kommentatoren darauf ein, als ob es in der Debatte wirklich um den afghanischen Gesichtsschleier ginge.

Dabei geht es um mehr. Wir erleben in den letzten Jahren die Wiederkehr eines alten Konflikts über die Rolle von Religion in einem säkularen deutschen Staat. Eigentlich schien dieser längst befriedet zu sein; die Weltlichen haben den Sieg davongetragen, auch weil die Religiösen immer weniger werden. Jedenfalls jene Religiösen, die Jesus am Kreuze anbeten. Aber plötzlich wird dieser weltliche Staat wieder mit einer religiös verwurzelten Ideologie konfrontiert, mit dem Islamismus oder wie meine Gesprächspartnerin in diesem Interview sagt, mit „dem politischen Islam“.

Mina Ahadi (60) war eine junge, säkulare Frau, als sich ihr Geburtsland Iran 1980 in eine Theokratie verwandelte, in der die religiösen Gebote plötzlich Gesetzeskraft hatten. Sie floh, ließ sich erst in Wien, dann in Köln nieder, engagierte sich gegen Todesstrafe und Steinigung im Iran. 2007 gründete sie den Zentralrat der Ex-Muslime. Mit Mitgliedern dieses Zentralrates und Publizisten wie Hamed Abdel-Samad hat sie in der vergangenen Woche einen Appell verfasst, in dem sie die strikte, klare Trennung von Religion und Staat in Deutschland fordert. Dieser Appell liest sich streckenweise wie ein AfD-Positionspapier. Aber wenn die überzeugte Kommunistin Mina Ahadi etwas nicht ist, dann eine Rechtspopulistin. Sie hat eine komplett andere Sicht auf eine verfahrene Debatte.

Frau Ahadi, Sie wurden im Iran geboren, sind dort aufgewachsen. Sind Sie Muslima?

(…)

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