Medienspiegel

Political Correctness, postmoderner Feminismus und Desinformation

„Der Siegeszug der „Political Correctness“ beginnt am amerikanischen Campus der Achtziger Jahre und setzte sich in den 90ern über linke Zeitschriften und das bürgerliche Feuilleton sowie in nicht wenigen Teilen des universitären Betriebs in Deutschland fort. Seit einiger Zeit bereits ist der Begriff in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen, wo er mittlerweile Ziel für wütende Angriffe konservativer und rechter Kritiker der spätbürgerlichen Gesellschaft geworden ist. Ähnliches lässt sich auch über den Werdegang des postmodernen Feminismus berichten. Jedoch kann man beides nicht nur von rechts, sondern auch von links kritisieren. Ein Gespräch mit dem Sozialwissenschaftler Hartmut Krauss.“ (…)

Gibt es Übereinstimmungen mit Ihrer Position oder lehnen Sie den Genderfeminismus in Bausch und Bogen ab?

Hartmut Krauss: Ich stimme dem Genderfeminismus insofern zu, dass die biologische Geschlechtszugehörigkeit vom sozialen Konstrukt der geschlechtsspezifischen Rollenzuweisung und sozialen Eigenschaftszuschreibung abzuheben ist und die biologische Geschlechtszugehörigkeit kein Grund für rechtliche und sonstige Benachteiligungen sein darf. Entscheidend ist für mich aber, dass die postmodernistische Version des Feminismus aufgrund ihrer untrennbaren Verknüpfung mit dem Kulturrelativismus den Umschlag von einer ursprünglich progressiven Emanzipationstheorie in eine reaktionäre Abwehrideologie darstellt.

Um diese Einschätzung an einem Bild zu verdeutlichen: Die postmodernistischen Feministinnen kommen mir vor wie die Zöglinge einer Mädchenschule für Häschen. Man hat ihnen das Bild vom bösen Fuchs gezeigt (…) und erklärt, seht her, der weiße, mittelständische, westliche gebildete („postpatriachalische“) Mann: Das ist euer Fressfeind beziehungsweise der wirkliche Bösewicht. Was man ihnen aber nicht gezeigt und nicht erklärt hat, ist, dass es noch ein anderes gefährliches Wesen gibt, dass noch dazu vermehrt im eigenen Biotop (und nicht nur am Urlaubsstrand) auftritt: Den nichtwestlichen, religiös indoktrinierten und legitimierten, vormodern-patriarchalisch geprägten, womöglich noch polygamen Macho-Mann, der nicht auf verinnerlichte Triebkontrolle trainiert ist, sondern auf Verhüllung des weiblichen Körpers und des Kopfhaars sowie auf die Verteidigung der am weiblichen Wohlverhalten festgemachten „Ehre“.

Gesetzt es wäre so: Wie kann man dann diese Feindbildkonstellation trotz entgegenstehender Tatbestände aufrechterhalten?

Hartmut Krauss: Am besten mit den herkömmlichen Mitteln: Verleugnung, Verkehrung ins Gegenteil, Projektion, Identifikation mit dem Aggressor et cetera. Auf diese Weise wird der vormoderne islamische Patriarch zum edlen Wilden und die unterworfene Kopftuchträgerin zum Emanzipationssubjekt umgedeutet und gegenüber der konträren Faktenlage eine hermetische Mauer der Immunisierung (defensiv) und Diffamierung (offensiv) aufgebaut. Lieber wird eine vormodern-antiemanzipatorische Herrschaftskultur verteidigt, als dass frau das Ur-Feindbild fallen lassen oder korrigieren könnte.

Die Faktenlage besagt nun aber eindeutig, dass durch die kalte Küche der konzeptionslosen deutschen Zuwanderungspolitik, die ursprünglich kurzfristigen großkapitalistischen Interessen folgte, eine migrationsbedingte Reinstallierung vormoderner, islamisch-patriarchalisch geprägter Herrschaftskultur stattgefunden hat und weiterhin stattfindet, die mit dem oben skizzierten Entwicklungsverlauf massiv kollidiert beziehungsweise diesen innerhalb parallelgesellschaftlicher Milieus revidiert. Die viel zitierten Ehrenmorde2bilden dabei nur die Spitze eines Eisbergs von Verhältnissen, die von Zwangsverheiratung, über eine hohe intrafamiläre Gewaltbelastung3über eine sehr hohe Suizidversuchsrate unter jungen muslimischen Migrantinnen bis hin zu milieuinternen Schiedsgerichten reichen, die nach der Scharia urteilen etcetera.“ (…)

http://www.heise.de/tp/artikel/36/36618/1.html