Medienspiegel

Tschetschenische Flüchtlinge in Deutschland – was die Politik unbedingt wissen muss

Veröffentlicht

Sonntag, 14.08.2016, 13:46 · von FOCUS-Online-Experte

„Seit Beginn der Flüchtlingskrise sind etwa 1,5 Millionen Menschen nach Deutschland gekommen. Die meisten stammen aus dem Nahen Osten und Nordafrika. Kaum bekannt ist, dass sich unter den Asylsuchenden vermehrt Personen aus dem russischen Nordkaukasus befinden. Dabei handelt es sich um eine Entwicklung, die die Sicherheitsbehörden mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgen sollten.“ (…)

„Zahl der Asylsuchenden aus Tschetschenien steigt

Die Folgen dieser Entwicklung haben sich inzwischen auch in den östlichen Bundesländern bemerkbar gemacht. Einer Schriftlichen Kleinen Anfrage der AfD-Fraktion in Brandenburg zufolge, ist die Anzahl von Tschetschenen, die als Flüchtlinge über Polen eingereist sind, seit 2015 drastisch angestiegen. Demnach waren unter den 1.761 in Brandenburg registrierten Asylsuchenden aus Russland insgesamt 1.139 Tschetschenen.

Dass ihr Zustrom seither immer mehr an Fahrt aufnimmt, belegen die Zahlen für 2016. Ihnen kann man ersehen, dass allein zwischen Januar und Mai die Einreisen von 734 Personen tschetschenischer Abstammung aktenkundig geworden sind, während die Gesamtzahl aller Asylsuchenden aus der Russischen Föderation im selben Zeitraum 983 betrug.

Auch illegale Einreisen sind betroffen

Aber auch bei den illegalen Einreisen scheinen Tschetschenen eine immer größere Rolle zu spielen. So befanden sich unter den 350 an der polnischen Grenze verhafteten Personen insgesamt 180 Bürger der Russischen Föderation – ihre überwiegende Mehrheit stammte dabei aus Tschetschenien.“ (…)

„Einreise von Tschetschenen ist brisant

Dass eine verstärkte Migration von Personen tschetschenischer Abstammung womöglich auch mit akuten Sicherheitsrisiken verbunden ist, hat verschiedene Gründe. Entscheidend ist, dass es sich bei Tschetschenien um eine krisengeplagte Region handelt. Ähnlich wie Afghanistan ist das Land seit Jahrhunderten in einen permanenten Abwehrkampf gegen äußere Invasoren verstrickt. Dies hatte zur Folge, dass es dort seit Mitte des 18. Jahrhunderts praktisch keine Generation mehr gegeben hat, die nicht selbst im Krieg war.“ (…)

„Der permanente Abwehrkampf der Tschetschenen hat dazu geführt, dass sich das kleine Kaukasusvolk im Laufe der Zeit immer stärker auf das Kriegshandwerk spezialisiert und es dabei zu regelrechter Perfektion gebracht hat. Vor diesem Hintergrund ist es kein Zufall, dass die Zaren bis zuletzt vergeblich versuchten, das Land zu befrieden und während des Zweiten Weltkrieges keine Volksgruppe des Sowjetreiches so oft mit militärischen Orden ausgezeichnet wurde wie die Tschetschenen.

Gleichwohl hat ihre Expertise auch eine Schattenseite. So ist Tschetschenien zwischen 1996 und 2009 zu einem Sammelbecken islamistischer Terroristen geworden. Die 2007 erfolgte Gründung des „Emirat Nordkaukasus“, deren Anführer mittlerweile auch IS-Kalif Al-Baghdadi die Treue geschworen haben, kann als Höhepunkt dieser Entwicklung gelten.“ (…)