Medienspiegel

Wie die Linke herrschaftsdienlich wurde

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(…) „Wolfgang Merkel, Professor für Politikwissenschaft, erklärt in einem Interview mit Zeit-Campus:

„Die junge, intellektuelle Linke hat den Bezug zu der Unterklasse im eigenen Land fast gänzlich verloren. Da gibt es vonseiten der Gebildeten weder eine Sensibilität noch eine Aufmerksamkeit und schon gar keine Verbindungen mehr. Die Linke hat sich eben kosmopolitisiert und (…) ihren politischen Schwerpunkt auf eine kulturelle Ebene verlagert, und eben auf dieser Ebene unterscheiden sich die Milieus der hoch und weniger Gebildeten deutlich voneinander. Dieser Verlust der Kommunikation zwischen den Klassen, wenn ich diesen Begriff einmal verwenden darf, ist massiv und ein Problem für die soziale Gerechtigkeit.“ 

Mit Bezug auf dieses Interview schreibt Sebastian Müller bei Le Bohémien, diese Linke habe eigentlich nur noch wenig mit „Links“ zu tun, sondern sei

„schlicht Ausdruck eines (neo)liberalen Mainstreams, garniert mit einer Prise grünen Lifestyles.“ 

Aus der Perspektive einer klassischen Linken ist die „politisch korrekte postmoderne linke Strömung“, von der Leszek schreibt, mit ihrem Desinteresse an ökonomischen Zusammenhängen und ihrer Fixierung auf eine kulturelle Ebene tatsächlich keine Linke mehr. Sie ist nämlich zu einer Analyse gesellschaftlicher Strukturen und zur Entwicklung von Ideen zu einer sozial gerechteren Gesellschaft gar nicht mehr in der Lage, und sie ist daran auch gar nicht interessiert.

Ich selbst werde hier den Begriff einer „postmodernen Linken“ benutzen, weil diese Linke wesentliche Aspekte einer modernen demokratischen Linken nicht mehr für wichtig erachtet oder gar offen ablehnt. Nämlich:

  • die Überzeugung, dass Menschenrechte universell gelten und unteilbar sind,
  • das Ziel einer sozial gerechteren Gesellschaft,
  • den Versuch, unterschiedliche Perspektiven in einer gemeinsamen, wenn auch spannungsreichen Kommunikation zu koordinieren, und
  • die Verteidigung der Freiheitsrechte Einzelner gegen staatliche Zurichtungsbestrebungen.

Natürlich werden solche grundlegenden Elemente einer demokratischen Linken nicht erst heute von anderen Linken abgelehnt – der real existierende Sozialismus ist ja ein Beispiel dafür. Neu aber ist: Diese Elemente werden von Vertretern einer postmodernen Linken weitgehend ignoriert, ohne das ihnen das überhaupt als ein Problem erscheint – und möglicherweise sogar, ohne dass ihnen das bewusst oder der Überlegung wert ist.“ (…)

Wie die Linke herrschaftsdienlich wurde

„Den Ausdruck „postmoderne Linke“ finde ich passend. Die Postmoderne hat die Linke zersetzt. Die Linke verzichtet unter dem Einfluss von Postmoderne immer mehr auf ihre aufklärerischen Prinzipien und Ideale (ein Prozess, den ich seit vielen Jahrzehnten beobachte): auf Religionskritik als Anfang aller Kritik, auf die Orientierung an der Vernunft (stattdessen orientiert sie sich an Gefühlen), auf die in der Aufklärung geforderte Universalität der Menschenrechte, radikale Demokratie (Basisdemokratie), Kritik der bestehenden Verhältnisse (Kritik an Entfremdung, Karrierismus usw.), auf die vom Autor genannte Verteidigung von Freiheitsrechten. Sie verwechselt ferner Gleichberechtigung mit Gleichstellung (=Ergebnisgleichheit) und betreibt eine offene Lobby- und Klientelpolitik für relativ kleine Gruppen von Personen, etabliert somit Sonderrechte für relativ kleine Gruppen von Personen. Der postmoderne Relativismus der Linken führt unvermeidlich zur skrupellosen Machtpolitik.

Einige dieser Punkte habe ich dem gerade erschienenen Buch „Wege aus der Beliebigkeit. Alternativen zu Nihilismus, Postmoderne und Gender-Mainstreaming“ thematisiert:
https://www.amazon.de/Wege-aus-Beliebigkeit-Alternativen-Gender-Mainstreaming/dp/3868881131/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1470340349&sr=8-2&keywords=wege+aus+der+beliebigkeit“

Kommentar GB:

Ich stimme weitestgehend mit Schoppe und Ulfig überein. Linke haben sich immer auch auf das positiv bezogen, was als historische Errungenschaft der bürgerlichen Gesellschaft z. B. von Liberalen erreicht wurde. Bürgerliche Demokratie und Rechtsstaat z. B. mögen nicht perfekt sein und kritisiert werden, aber besser als irgendein Totalitarismus sind sie in jedem Fall, sogar weitaus besser. Wo Linke dies verleugneten, wie es die Bolschewiki taten, dort hat sich das für sie selbst, durch Stalin, tödlich gerächt.

Ich spreche sonst von der Pseudo-Linken, der Scheinlinken, und meine damit die postmoderne Linke, ein auch aus meiner Sicht passender Begriff. Theorievergessenheit ist ihr Merkmal, ebenso wie der Ersatz von Theorie durch Ideologie.

Es gibt m. E. drei Elemente, die als politisch links behauptet werden, die  es aber nicht sind; allerdings gibt es Ideologeme, mit denen das verschleiert wird.

Erstens: der Feminismus, der als Privilegierungspolitik objektiv eine rechte Politik ist.

Zweitens:  die homophile Politik, die objektiv eine Lobbypolitik für Homophile ist, aber auch sehr bedenkliche gesellschaftsverändernde Implikationen enthält – an beidem ist nichts politisch links.

Drittens: die islamophile Politik, die objektiv profaschistisch ist, weil der Islam neben Stalinismus und Nationalsozialismus/Faschismus als weiterer Totalitarismus heute auf der Tagesordnung steht.

Man stelle sich vor, die LINKE, die GRÜNEN und die SPD, aber auch die CDU, teils auch die FDP würden sich konsequent von diesen drei Politiken trennen und hier jeweils eine anderen Weg einschlagen: es ergäbe sich eine andere politische Lage.

Siehe hierzu:

https://www.freitag.de/autoren/guenterbuchholz/von-der-frauenemanzipation-zur-frauenprivilegierung

https://le-bohemien.net/2014/10/18/frauenquote-das-subventionierte-geschlecht/

https://le-bohemien.net/2013/09/26/politische-linke-und-feminismus/

https://le-bohemien.net/2013/06/18/was-ist-heute-links/