Medienspiegel

Markus Söder, der Tiger der CSU

Wolfram Weimer

„Die CSU fordert eine Umkehr in der Migrationspolitik und will so die AfD überflüssig machen.

Während Seehofer den brüllenden bayerischen Löwen verkörpert, gibt Söder den Tiger der Macht.

Nur den Sprung nach Berlin will er vermeiden.“

„Wer die CSU verstehen will, der sollte Fabeln studieren. Denn die CSU ist eine fabelhafte Partei. Sie hat mit Horst Seehofer einen Vorsitzenden mit Königspranke und der Fähigkeit zu brüllen, ohne laut zu werden. Er ist der bayerische Löwe höchstselbst. Innenminister Joachim Herrmann genießt Respekt als Luchs der Sicherheit. Peter Gauweiler ist die schwarze Eule, einsam und weise, doch nurmehr nachts im Wald gehört. Im Landtag gibt Fraktionschef Thomas Kreuzer wahlweise den emsigen Biber oder den abwehrenden Igel. Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner ist die gute Biene der Partei, fleißig und mit einer freundlichen Redlichkeit unter den Flügeln, aus der sich Honig saugen lässt. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt verkörpert das vielseitige Pferd, von dem alle noch Wundersprünge erwarten, Manfred Weber, Fraktionschef der Europäischen Volkspartei im Europaparlament, wirkt wie der schlaue, aber in fernem Unterholz umherstreifende Euro-Fuchs, und Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt ist die Bärin in Berlin, die sich ein dickes Fell gegen Freund und Feind zulegen musste.
Die fabelhafte CSU-Schar ist derzeit munter und mit allerlei Getöse unterwegs in der deutschen Politik. Denn sie wittert wie ein nervöses Rudel, dass sich das Land eine Umkehr von der “Multikulti-Migrationspolitik” der Kanzlerin ersehnt. Und sie wettert gemeinsam gegen Merkels “historischen Fehler” (Söder) des Grenzen-Aufreißens, schließlich scheint der spektakuläre Wahlerfolg der AfD den Christsozialen Recht zu geben.

Wenn sich in Berlin derzeit einige über die Daueroffensive der CSU wundern, dann hat das weniger mit dem Geltungsdrang des Löwen als mit dem Überlebensinstinkt der Herde zu tun. Die CSU hat seit jeher ein gutes Gespür für Volkes Stimmung und wähnt sich von großen Mehrheiten getragen. Vor allem aber hat sie die eigene Landtagswahl in zwei Jahren im Blick – um dort die absolute Mehrheit zu verteidigen und den AfD-Aufstieg zu verhindern, muss man sich jetzt eindeutig positionieren. Zur Verteidigung der Vormacht in Bayern ist man allemal bereit, in Berlin auf Macht zu verzichten. Und wenn das eine nur ohne das andere zu haben ist, dann steuert man lieber lustvoll auf eine Opposition in Berlin zu. In Berlin mögen Linke und Grüne die dauernde Merkel-Kritik als “politischen Amoklauf der CSU” brandmarken, in Wahrheit folgt er einem klaren Kalkül der Selbsterhaltung.“ (…)

http://www.theeuropean.de/wolfram-weimer/11299-csu-auf-anti-merkel-kurs