Medienspiegel

Warum das Kuckuckskinder-Gesetz daneben ist

Samstag, 03.09.2016, 08:12 · von FOCUS-Online-Expertin

Die Sexpartner-Auskunftspflicht für Mütter möglicher Kuckuckskinder soll kommen, wie das Kabinett am Mittwoch beschlossen hat: So sollen Frauen dem Scheinvater verraten müssen, wer der leibliche Vater ist. FOCUS-Online-Expertin Birgit Kelle hält nicht viel von dem Gesetz. Die Herangehensweise sei eine ganz falsche.“ (…)

„Wieso erlaubt man nicht zuerst Männern, auch ohne Einverständnis Vaterschaftstest zu machen?

In der Tat halte ich es unabhängig davon, was ein Gericht oder der getäuschte Kindsvater gerne will, für eine Zumutung, dass man Frauen gerichtlich zwingen will, ihre Sexualpartner zu Protokoll zu geben. Zumal damit indirekt auch noch in die Intimsphäre des tatsächlichen Kindsvaters eingegriffen wird. Der weiß vielleicht nicht einmal, dass er irgendwo ein Kind hat, ist vielleicht selbst inzwischen Familienvater und glücklich verheiratet. Und dann kommt ein Gericht und fordert rückwirkend Unterhalt von ihm für ein unbekanntes Kind? Ich bin sehr gespannt, wie dessen Frau darauf reagiert.

Andererseits ist es für einen getäuschten Mann, dem man vielleicht jahrelang ein Kind untergeschoben und der für dies Kind Unterhalt gezahlt hat, ebenfalls verständlich, wenn er wissen will, bei welchem Kerl er sich die Unterhaltszahlungen zurück holen kann.

In diesem Zusammenhang verstehe ich allerdings nicht, warum man nicht zuerst ein Gesetz macht, dass den Männern endlich erlaubt, ohne das Einverständnis der Mutter einen Vaterschaftstest machen zu lassen? Die Rechtslage ist tatsächlich im Moment so. Das passt nicht zusammen. Wir wollen die Mutter zwingen, ihre Sexualpartner zu nennen, aber ohne dass sie Ja sagt, darf der Vater legal nicht mal rausfinden, ob er seit Jahren ein Kuckuckskind versorgt? Vielleicht sollte man hiermit anfangen.“  (…)

http://www.focus.de/politik/experten/bkelle/gastbeitrag-von-birgit-kelle-zum-kuckuckskinder-gesetz-warum-das-gaga-gesetz-daneben-ist_id_5890141.html

Forderungen nach dem obligatorischen Vaterschaftstest ab Geburt (OVAG) werden lauter

Gesetzentwurf zu Scheinvaterregress, Rückbenennung und zur Änderung des Internationalen Familienrechtsverfahrensgesetzes

Kommentar GB:

Wir brauchen zunächst eine öffentliche Debatte, in der nicht einseitig – wie derzeit üblich – die Interessen von Frauen, sondern in der gleichgewichtig die von Männern berücksichtigt werden.

Die oben hervorgehobene Regelung haben wir m. W. Brigitte Zypries (SPD) als Bundesjustizministerin zu verdanken.

Männer sollten sich m. E. gut überlegen, ob es in ihrem Interesse liegt, feministisch mehr oder weniger stark beeinflusste Parteien zu wählen.