Medienspiegel

Ein Muslim als Bundespräsident wäre ein falsches Symbol

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Helmut Markwort

„Das größte Thema wird nur in kleinsten Zirkeln diskutiert.

Was heißt diskutiert. Es wird höchstens geflüstert. Die Wahl des deutschen Staatsoberhaupts ist Kungelsache.“

„In vier Monaten tritt in Berlin die größte parlamentarische Versammlung der Republik zusammen, um geheim und ohne Aussprache den Bundespräsidenten zu wählen. Die etwa 1260 Mitglieder der Bundesversammlung sind stolz, zu dem Eliteclub zu gehören, und sonnen sich in heimischer Umgebung auch gern in der Ehre, aber wenn man einen nach seiner Absicht oder gar Entscheidung fragt, reagiert er verlegen bis hilflos.

Die allermeisten haben keine Ahnung, wen sie am 12. Februar 2017 wählen sollen oder dürfen. Die AfD und die Freien Wähler haben bereits Kandidaten nominiert, aber die Mitglieder der maßgeblichen Parteien erfahren nicht, was ihre Bestimmer planen. Einigkeit oder Kampfabstimmung, Suche nach dem Besten oder Vorspiele zum Koalitionspoker? Nicht einmal in beliebten SMS-Kürzeln werden die Namen von Kandidaten ausgetauscht. Viele fürchten das tödliche Gesetz: früh genannt, schnell verbrannt. In der Union wird deswegen streng geschwiegen. Keiner weiß, wen Merkel will.

Die Grünen hingegen basteln so lebhaft an einem grün-rot-roten Projekt, dass der Name ihres Kandidaten schon mehrfach publiziert und auch unterstützt wurde: Es ist der deutsch-iranische Orientalist, Schriftsteller und Essayist Navid Kermani. Er erfüllt die Voraussetzungen. Mit 48 Jahren übertrifft er deutlich das Zulassungsalter von 40, und er besitzt neben der iranischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft.

Kermani ist bekennender Muslim. Seine Doktorarbeit heißt „Gott ist schön. Das ästhetische Erleben des Koran“. Seine Ehefrau Katajun Amirpur ist Professorin für Islamwissenschaft in Hamburg. Das Paar erzieht seine beiden Töchter im Geiste des Islam.

Bevor ich meine Argumente gegen seine Wahl nenne, möchte ich ausschließen, dass mir Missinterpretationen angeklebt werden, und schreibe deshalb ausdrücklich: Navid Kermani ist ein ehrenwerter Mann. Er ist ein herausragender Intellektueller. Er hat viele lesenswerte Bücher und Reportagen geschrieben und ist aus guten Gründen mit den renommiertesten Preisen geehrt worden. Der Koran-Gelehrte gehörte zu Recht zu den Teilnehmern der ersten deutschen Islam Konferenz, aber er gehört nicht als Hausherr ins Schloss Bellevue.“ (…)

http://www.focus.de/magazin/tagebuch/helmut-markwort-ein-muslim-als-bundespraesident-waere-ein-falsches-symbol_id_6042068.html