Medienspiegel

Fatah bereitet sich auf Krieg mit Israel vor

„Rund 300 Mitglieder der unter der Führung des Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) Mahmoud Abbas stehenden Fatah-Fraktion haben in Vorbereitung auf einen Krieg mit Israel im Gazastreifen mit „militärischem Training“ begonnen.

Der bewaffnete Arm der Fatah, die Al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden – die Märtyrer-Nidal-Al-Amoudi-Division – gab bekannt, dass ihre Mitglieder in eine neue Militärakademie im Gazastreifen aufgenommen wurden, um dort als „Kämpfer“ ausgebildet zu werden. Die kürzlich eröffnete Akademie im Gazastreifen würde die „Kämpfer“ in unterschiedlichen Kampfmethoden „im Rahmen eines Programms zur Vorbereitung auf zukünftige Kämpfe“ mit dem „zionistischen Feind“ vorbereiten.

Die Nidal-Akademie wurde nach Nidal Al-Amoudi benannt, einem ranghohen Milizionär der Fatah, der am 13. Januar 2008 von den Israelischen Streitkräfte (IDF) getötet worden war, nachdem er in der Zeit der Zweiten Intifada eine Reihe bewaffneter Angriffe auf israelische Zivilisten und Soldaten ausgeführt hatte. „Die Akademie wurde nach Kommandant Nidal Al-Amoudi (Abu Hussein) benannt, um dessen Traum, die Kämpfer in militärischer, moralischer, religiöser und revolutionärer Hinsicht zu qualifizieren, zu erfüllen“, hiess es in einer Stellungnahme des bewaffneten Flügels der Fatah. Die Gruppierung gab an, dass etwa 300 „Kämpfer“ bereits in die Akademie aufgenommen worden seien und dass sie mit der Unterweisung in verschiedenen Methoden der Kriegsführung begonnen hätten.

„Wir haben versprochen, eine Armee von Kämpfern auszubilden, indem wir unser gesamtes Können und all unsere Energie bündeln und einsetzen, um die Option eines bewaffneten Kampfes als einziges Mittel zur Befreiung Palästinas zu festigen“ erklärte die Organisation.“ (…)

„Derartige Entwicklungen innerhalb der Fatah sind aus einem ganz besonderen Grund bemerkenswert: Im Grossen und Ganzen empfindet die internationale Gemeinschaft die Fatah nach wie vor als die „moderate“ palästinensische Partei, mit der Israel Frieden schliessen sollte. Doch die Fatah ist weit davon entfernt, ein einziger, geeinter Block zu sein; nach ihren eigenen Worten wollen viele Gruppierungen innerhalb der Fraktion die „Befreiung Palästinas“ weiterhin nur durch den bewaffneten Kampf erreichen. Hinzu kommt, dass sich weder Abbas noch irgendeiner seiner führenden Fatah-Getreuen im Westjordanland je von den kriegsbereiten Fatah-Milizen distanziert oder sie zurückgewiesen hätte. Ausschlaggebend ist, dass viele dieser Fatah-Milizionäre weiterhin Gehälter von der Palästinensischen Autonomiebehörde beziehen.

Die Fatah ist in der Tat eine zweiköpfige Hydra; der eine Kopf sagt der englischsprachigen internationalen Gemeinschaft das, was sie hören will, nämlich, dass sie für eine Zwei-Staaten-Lösung ist und eine friedliche Lösung des Konflikts mit Israel wünscht, während der andere Kopf die Wahrheit sagt: Sie setzt sich für einen bewaffneten Kampf und die „Befreiung Palästinas“ ein und bereitet sich sogar auf einen Krieg mit Israel vor. Erwähnenswert ist auch die Tatsache, dass einige dieser Fatah-Milizen auch weiterhin in einigen Teilen der von Abbas‘ Sicherheitskräften kontrollierten Gebiete im Westjordanland aktiv sind. Und ebenso wie ihre Gefolgsleute im Gazastreifen erhalten auch sie weiterhin ihre Gehälter von der Palästinensischen Autonomiebehörde.

Abbas hat den Gazastreifen nicht nur an die Hamas verloren, sondern auch an seine eigenen ehemaligen Unterstützer in der Fatah, die eine ganz andere Richtung eingeschlagen haben als die Fatah-Führung im Westjordanland. Der Streit zwischen der Fatah und der Hamas, der die Palästinenser de facto in zwei Gruppen gespalten hat, eine im Westjordanland und eine im Gazastreifen, ist ein Grund dafür, dass die Palästinenser weiter denn je davon entfernt sind, einen unabhängigen palästinensischen Staat zu erreichen. Der Machtkampf innerhalb der Fatah und die tiefe Kluft zwischen ihren Anführern ist ein weiterer Grund. Abbas‘ Anspruch auf die alleinige Führung der Fatah können selbst seine leichtgläubigsten Unterstützer kaum mehr für bare Münze nehmen: Tausende seiner „Kämpfer“ befinden sich in der Vorbereitung auf den Krieg mit Israel.“

https://de.gatestoneinstitute.org/9213/fatah-krieg-israel    /  A  /

Kommentar GB:

Gälte im Nahen Osten die uns in unserer Ziviliation und Kultur gewohnte Denkweise, dann würde nach einem Interessenausgleich mit dem Ziel eines für beide Seiten tragbaren Kompromisses gesucht werden. Diese Vorstellung dürfte etwa der politischen Rede von einer Zwei-Staaten-Lösung zugrunde liegen, eine Rede, die allerdings ergebnislos gleichsam im Kreise läuft.

Denn: wäre dem so, dann wäre eine solche Lösung höchstwahrscheinlich längst existent.

Aber sie ist es eben nicht, und es weist m. E. nichts darauf hin, daß es jemals dazu kommen könnte.

Daher käme es m. E. außenpolitisch darauf an, nüchtern von den realen Mentalitäten der lokalen Akteure beider Seiten auszugehen, und ebenso von den Tatsachen und den realen Handlungsweisen.

Der oben benannte Denkfehler, der im Kern darauf beruht, daß ein sehr wirksamer Irrationalismus nicht als ein solcher wahrgenommen wird, er muß vermieden werden. Dieser Denkfehler wirkt im übrigen auch innenpolitisch. Der Irrationalismus muß als solches erkannt und eingeordnet werden, anstatt zu fingieren, dieser religiös-politische Irrationalismus sei gar keiner, sondern ein Rationalismus. Oder er sei zwar ein religiöser Irrationalismus, aber so harmlos, wie wir ihn von unseren Gesellschaften kennen. Das ist er aber gerade nicht.

So entstehen fortlaufend Fehler, die unverstanden bleiben, solange an der rationalistischen Fiktion festgehalten wird. Die gesamte offizielle innenpolitische Integrationsdebatte ist hiervon geprägt, zu ihrem und unserem Schaden. Macht sich dann das Realitätsprinzip geltend, dann ist die Verlegenheit groß und lächerliche Ausreden oder die Zensur haben ihre Saison.

Alles wird getan, um zu vermeiden, sich den eigenen Denkfehler samt Folgen einzugestehen.

„Wir haben uns geirrt“, das müßte öffentlich gesagt werden,

um danach anders handeln zu können.